Mit Elektro-Radln das Klima retten? - KLB Augsburg startet Klima-Kampagne
Auch Diözesanvorsitzende Elisabeth Konrad schwang sich aufs E-Bike und ließ sich von dieser Form klimafreundlicher Mobilität beflügeln.
„Klimaforscher und Religion sind verwandt!“ Mit dieser ungewohnten Verknüpfung sieht sich der Heidelberger Professor für Umweltphysik Dr. Klaus Pfeilsticker Seite an Seite mit den Delegierten der Katholischen Landvolk-Bewegung am vergangenen Samstag in der Landvolkshochschule Wies. Beide handeln aus der Verantwortung für kommende Generationen heraus. Beide denken nicht nur an das eigene Wohlergehen, sondern an das der Kinder und Kindeskinder. Während Politiker oft „kurzatmig“ sind, wenn sie nur von Wahl zu Wahl denken, „denkt“ das Klima in Generationen. So erklärte der Klimawissenschaftler, dass das heutige Klima bereits vor 40 Jahren „gemacht“ wurde. Unseren heutigen viel zu hohen C02-Austoss bekommen wir und mehr noch unsere Nachfahren erst um 2050 zu spüren.
Deshalb sei sich die „Gemeinde der Klimaforscher“ einig: Wir müssen uns auf eine Klimaerwärmung einstellen: Wenn nicht ab sofort mit aller Macht gegengesteuert wird, werden wir bis zum Jahr 2100 im Sommer eine Temperaturerhöhung um 4 bis 4,5 Grad haben und im Winter wird es 3 bis 4 Grad wärmer sein. Weil sich nicht nur die Temperatur ändern wird, sondern auch der Faktor Niederschläge, wird dies große Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben. Es wird zu einer Änderung der Klimazonen mit Gewinner- und Verliererregionen kommen. An der Donau in Bayern z. B. kann Weinanbau möglich werden, in anderen Gegenden ist jedoch der Getreideanbau wegen Wassermangel einzustellen. Wenn man heute immer noch hören könne, „Klimaveränderung habe es immer gegeben“, so Prof. Pfeilsticker, „dann sei das die Ausrede derer, die keine Verantwortung tragen wollen.“ Natürlich wird es wie zu allen Zeiten Schwankungen geben. Weiterhin wird es heiße Sommer und eher verregnete Sommer geben, aber es kommt auf die bereits heute messbare Tendenz an. Dies ist der erste Themenkomplex, wenn das Landvolk die Herausforderungen der Klimaerwärmung bewältigen will, wie es die Kampagne beabsichtigt.
Angefeuert wird die Problematik durch die vorhandenen Daten über die Reichweite der fossilen Energieträger. Zwar wird es auch über die nächsten 50 Jahre hinaus Erdölvorkommen geben, die Förderung wird aber um ein Vielfaches teurer und schwieriger werden. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist nur ein Vorgeschmack darauf. Auch aus diesem Grund ist eine Kehrtwende im Energieverbrauch unumgänglich. Pfeilsticker: „Wir sind um den Faktor 4 von dem entfernt, was wir verbrauchen sollten. Das heißt: Wir sollten viermal weniger verbrauchen als heute.“
Pfeilsticker sieht sich aber keineswegs als Untergangsprophet. Als Physiker stelle er die nüchternen Zahlen und deren Bedeutung der Gesellschaft zur Verfügung. Gemeinsam mit den 90 Delegierten des Landvolks sieht er aber auch Zeichen der Hoffnung: Die notwendige C02-Reduzierung auf 2,5 Tonnen pro Bundesbürger sei zu schaffen. Wir haben in Deutschland nicht nur das technische, wirtschaftliche und finanzielle Potential dazu. Auch die für die Umsetzung erforderlichen organisatorischen und kommunikativen Fähigkeiten seien in unserem Land so gut wie nirgendwo vorhanden. Elisabeth Konrad, die Erste Vorsitzende der KLB Augsburg, verstärkte die Motivation: „Es braucht das Handeln der politisch Verantwortlichen, und es braucht die Akteure wie Dich und mich ich. Wir müssen die Debatte in die Dörfer, in die Kommunalpolitik und insbesondere auch in die Pfarreien bringen“, z.B. wenn in der eigenen Gemeinde ein regeneratives Energie-Projekt zur Debatte steht. Die KLB sollte sich nicht zu Pauschalhaltungen verleiten lassen, nach dem Motto: „In meine Gemeinde kommt kein Windrad“, sondern für eine faire und intelligente Einschätzung der Vor- und Nachteile sorgen. „Es geht immer ums Abwägen, nicht um ein Entweder-Oder“, so Prof. Pfeilsticker.
Sechs Workshops zeigten dann auf kreative Weise die Möglichkeiten zur Umsetzung. Die Lust auf den persönlichen Klimawandel wurde buchstäblich beflügelt beim Ausprobieren von E-Bikes und Pedelecs, das sind elektrisch unterstützte Fahrräder, im Workshop über Gebäudesanierung und über klimafreundliches Kochen. Hans Aigner von ZIEL 21, einer Energie-Initiative im Landkreis Fürstenfeldbruck, prognostizierte dem Ausbau der regenerativen Energie und der Umstellung auf Elektro-Autos eine große Zukunft. Intelligente Stromnetze und -zähler sind ein Teil der Lösungen, dass in Zeiten, wo zu viel Sonnenenergie da ist, Batterien und Akkus aufgeladen werden.
So unterschiedlich die Workshop-Inhalte auch waren: Das erste Ziel muss die Reduzierung des Energieverbrauchs durch Sparen sein. Auch wer mit Holz heizt, sollte sparen: „Isolier zuerst Dein Haus, dann brauchst du nicht mehr 20 Ster Brennholz, sondern nur noch fünf Ster.“ Dass viele Teilnehmer im privaten Engagement bereits Ernst machen mit dem Klimaschutz, wurde an den Berichten einzelner Teilnehmer deutlich: einer betreibt im eigenen Garten ein Windrad speist den Strom ins Netz ein.
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| Prof. Dr. Klaus Pfeilsticker beim Vortrag | Genuss statt Klimaverdruss - Einsichten und Debatte | Wer soll den Klimawandel ausbügeln? | Helene Glatzel strahlt - das E-Bikefahren beflügelt sie. |
Fair-Wandel Dein Klima! Die KLB Augsburg ist dabei
Auto oder Fahrrad, diese Frage muss sich täglich stellen!
Eine bundesweite Kampagne zum Klimaschutz hat jetzt die Katholische Landvolkbewegung Deutschland (KLB) gestartet. Die einjährige Aktion unter dem Motto „Fairwandel dein Klima“, bei der jeder mitmachen kann, soll das eigene Umweltverhalten kritisch hinterfragen, aber auch ein Zeichen setzen in Politik und Gesellschaft. Das ehrgeizige Ziel der Initiatoren lautet zudem: „Wir wollen insgesamt über 2,5 Millionen Auto-Kilometer während der Kampagne über unsere Mitglieder in den einzelnen KLB-Diözesen deutschlandweit einsparen.“
Ab auf den Drahtesel, Fahrgemeinschaften bilden oder einfach umsteigen auf Bus und Bahn, heißt es künftig für die engagierten Teilnehmer der Klimaaktion. Denn schließlich lautet die Devise der Klimaschützer: Global denken, aber lokal handeln. „Machen Sie mit. Und zwar ab sofort. Es gibt viele Möglichkeiten sich ökologisch und klimaschützend zu verhalten. Jeder kann etwas beitragen. Nur dann wird unsere Kampagne auch erfolgreich sein“, appellierte Korbinian Obermayer vom KLB-Bundesvorstand jetzt bei der Auftaktveranstaltung in Würzburg.
Während der Kampagne stehen zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen in den KLB-Diözesen auf dem Programm: Vom Energiespartag über Baumpflanzaktionen bis hin zu Veranstaltungen rund um regionales Essen und Produkte aus fairem Handel. „Wir wissen nur zu gut, das der Klimawandel vom Menschen gemacht ist und wir jetzt dringend handeln müssen“, forderte der KLB-Bundesvorsitzende Heinz Gerster in seiner Eröffnungsrede zur Kampagne. „Wir als Christen stehen in der Verantwortung, unsere Erde nicht nur für uns, sondern auch für unsere Nachkommen so lebenswert wie möglich zu halten. Aber alle Zeichen stehen auf Sturm: Der Klimawandel schreitet unaufhörlich voran. Dieser bedrohlichen Entwicklung müssen wir entgegenwirken, nicht mit leeren Worten, sondern aktiv durch eigene Aktionen, mit denen wir nicht nur die Politiker, sondern uns selbst auch zur Nachhaltigkeit aufrufen.“
Längst sprechen die Klimafakten eine deutliche Sprache, darin sind sich Experten einig. Die globale Erwärmung gilt als unbestritten, ebenso die Folgen davon: ein ansteigender Meeresspiegel, Gletscherschmelze und Hochwasser, aber auch Hitze und Trockenheit genauso wie zunehmende Wetterextreme. „Klimawandel ist ein globales Phänomen, auch wenn die Auswirkungen regional sehr unterschiedlich verteilt sind. Am meisten betroffen sind jetzt und in Zukunft die armen Länder in der südlichen Hemisphäre. Genau jene, die bisher am wenigsten Treibhausgase emittiert haben, aber jetzt schon besonders massiv unter den negativen Klimafolgen zu leiden haben“, bilanzierte Prof. Dr. Johannes Wallacher, Sozialwissenschaftler und Wirtschaftsethiker, in seinem Referat zur Eröffnung der Kampagne. „Die Weltgemeinschaft muss die Treibhausgas-Emissionen jetzt sofort begrenzen. Wir müssen eine integrierte Klima- und Entwicklungspolitik anstreben und das Ausmaß des Klimawandels aus Gründen der Gerechtigkeit auf ein Ausmaß beschränken, dessen Folgen wir in Zukunft noch bewältigen können“, forderte Wallacher unmissverständlich
Gebet "Für ein Klima, das allen gut tut!"
Guter Gott,
Du liebst das Leben und willst,
dass alle Menschen leben können.
Du hast uns die Erde anvertraut und alles was lebt.
Wir danken Dir für dieses Geschenk
und bitten Dich heute besonders für unser Klima.
- Segne die Beratungen bei den Klimaverhandlungen
- Hilf den Verantwortlichen, dass sie zu mutigen Schritten kommen, die allen Menschen und Geschöpfen ein gutes Leben ermöglichen.
- Lass nicht zu, dass wir auf Kosten anderer Menschen und nachfolgender Generationen leben.
- Erfülle uns mit Achtsamkeit und Wachsamkeit, damit wir heute schon das Richtige tun.
- Wecke in uns den Mut, dass wir gerecht leben auf dieser Welt und füreinander sorgen.
Heute und morgen und alle Tage bis in Ewigkeit.
AMEN.