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18.05.2010

Ökumenisch bewegt - die KLB war dabei

Die KLB im Unterallgäu füllte einen Bus mit 51 Personen, aus Illertissen, Sonthofen und Krumbach waren sie mit dem Bayern-Ticket nach München gereist: viele KLB-Aktive wollten sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, sich im Glauben und in der Gemeinschaft zu stärken, Impulse für das Engagement in Kirche und Gesellschaft zu bekommen und sprituell an vielen Quellen aufzutanken.

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an der Hoffnung Hand anlegen - im Spiri-Sandkasten im Olympiazentrum war's möglich
Am Stand des ILD und der KLB-Bundesstelle konnte man sich über Biopatente informieren.
Wegen Überfüllung geschlossen - das Podium über Biopatente mit Vandana Shiva besuchten über 400 Teilnehmer.

Man musste sich schon gründlich das 600-seitige Programmheft vorknöpfen, um aus der Fülle der Veranstaltungen das Richtige für sich zu entdecken. Waren es eher die anspruchsvollen politischen Podien zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen oder Umweltthemen oder eher die morgendlichen Bibelarbeiten - von prominenten Kirchenmännern  und -frauen vorgetragen, mit anspruchsvoller musikalischer Umrahmung, oder gar besinnlich-meditative Orte: für alle Geschmäcker, Ansprüche und Sehnsüchte war etwas dabei. Nicht immer war ein Angebot gelungen, aber doch oft wurde man Zeuge und Subjekt eines hochwertigen Angebots: sei es ein jugendlicher Gottesdienst mit wenig Wort, aber viel Musik und Lichteffekt, sei es eine Andacht mit Zeit-Zeugnissen und Anwälten des Südens. Vom gemeinsamen christlichen Geist bewegt, von der Vielfalt christlichen Glaubens beeindruckt, von der Menge an Jugend überwältigt - so könnte man die Quintessenz des Kirchentags auf einen Nenner bringen. 

Von Weizsäcker verurteilt Biopiraterie

Der Biologe Ernst-Ulrich von Weizsäcker hat Biopiraterie verurteilt und einen Verlust an biologischer Vielfalt beklagt. Die derzeitige Engführung der Umweltdebatte auf den Klimawandel sei gefährlich, sagte der prominente SPD-Politiker und Naturwissenschaftler.
Manche Unternehmen versteckten hinter einem Klimaschutzengagement auch ausbeuterische Praktiken im Süden. Von Weizsäcker diskutierte vor 3.000 Zuhörern mit der prominenten indischen Umweltaktivistin Sunita Narain.

Der Diebstahl biologischer Vielfalt aus dem Süden und die Ausbeutung des ökonomischen Nutzens im Norden seien ein Skandal, so von Weizsäcker. Er mahnte die Verabschiedung eines weltweiten Protokolls über Zugang und Verwertung des vor allem auf der Südhalbkugel vorhandenen biologischen Reichtums an. Der Naturwissenschaftler warf insbesondere den USA vor, die Einigung auf eine entsprechende Konvention zu verhindern. Inzwischen seien die meisten biologischen Schätze in den Händen des Nordens, besonders in denen der Amerikaner.

Keine Schuldzuweisungen nach China und Indien

Insbesondere das Gebaren der Firma „Monsanto“ geißelte der Biologe als eine „Frechheit“. Zunächst würden die Pflanzen geklaut, dann in den USA patentiert und gezüchtet, um dann das Saatgut teuer wieder in die Herkunftsländer im Süden zu verkaufen. In der Frage des Klimaschutzes warnte von Weizsäcker warnt vor ungerechten Schuldzuweisungen. Man dürfe den Chinesen und Indern nicht unzureichendes Umweltbewusstsein vorwerfen, bezogen auf die Bevölkerungszahlen sei die Kritik falsch. „Wenn alle sechs Milliarden Menschen so leben wollten wie die Amerikaner, dann bräuchten wir vier Erdkugeln. Wir haben aber nur eine.“

Wachstum mit Rücksicht auf die Schöpfung

Sunita Narain, Direktorin des Zentrums für Wissenschaft und Umwelt im indischen Neu Delhi, plädierte für einen neuen Wachstumsbegriff, der Rücksicht auf die Schöpfung und die begrenzten Ressourcen der Welt nehme. „Wir müssen ein Modell entwickeln, dass Fortschritt erlaubt, ohne die Welt zu zerstörten“, erklärte sie. Nicht der Konsum dürfe im Mittelpunkt wirtschaftlichen Denkens stehen. „In Neu Delhi sind schon jetzt alle Straßen verstopft, aber nur zehn Prozent der Bevölkerung haben ein Auto“, so die ‚Wissenschaftlerin. Wenn es Gerechtigkeit geben solle, dann müsse es ein neues Modell auch von Mobilität geben.

Kirchen sollen Bauern in Fragen der Biopatentierung nicht alleine lassen
Die indische Bürgerrechtlerin, Dr. Vandana Shiva, würdigt die Arbeit des Landvolks gegen Biopatente und Biopiraterie
 
Bad Honnef, 18.05.2010. „Wir brauchen dringend weltweit aktive und engagierte Menschen, die sich gegen Patente auf Leben und für die Rechte von Landwirten und Verbrauchern einsetzen“. Das sagte die indische Bürgerrechtlerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises, Dr. Vandana Shiva bei einem gemeinsamen Forum der kirchlichen Erwachsenen- und Jugendverbände auf dem ökumenischen Kirchentag Mitte Mai in München. Patente auf Saatgut, auf Pflanzen und auf Tiere sind abzulehnen, darüber waren sich die kirchlichen Vertreterinnen, Bettina Locklair und Dr. Maren Heincke mit der indischen Nobelpreisträgerin einig.
 
Aus eigener Betroffenheit verdeutlichte Rudolf Bühler, Leiter der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, was mit dem von Monsanto beantragten Patent auf eine Zuchtmethode bei Schweinen auf dem Spiel steht. „Unsere Familie betreibt seit Jahrhunderten erfolgreich die Zucht einer vor dem Aussterben bedrohten Schweinerasse. Mit der angestrebten Patentierung verfolgen multinationale Unternehmen ein ganz neues Vermarktungskonzept, das, wenn es tatsächlich anwendbar würde, das Aus für unsere Schweinezuchtbetriebe bedeutet.“ Er hoffe, dass sich die Kirchen klar und eindeutig gegen derartige lebensfeindliche Praktiken aussprechen.
 
„Wem gehört die Schöpfung?“, diese Frage stellten die Veranstalter auch auf einem gemeinsamen Stand, der seitens der Kirchentagsbesucher auf großes Interesse stieß. Hier gab es die Möglichkeit, sich detaillierter mit der Problematik zu beschäftigen. Bestens informiert zeigte sich u.a. der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Gebhard Fürst, der dem Landvolk für sein Engagement in Fragen der Biopatentierung ausdrücklich dankte. Im Rahmen eines vom Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienst (ILD) initiierten Projektes setzen sich die kirchlichen ländlichen Erwachsenen- und Jugendverbänden seit mehr als zwei Jahren in zahlreichen Informations- und Bildungsveranstaltungen europaweit mit der Thematik auseinander.
 
Die Patentierung von Saatgut habe unter anderem zur Folge, dass dessen Preis steige, der Züchtungsfortschritt gehemmt werde und Monopolrechte für wenige große Konzerne entstünden, erläuterte Dr. Vandana Shiva. „In Indien tauschen 80 Prozent der Landwirte ihr Saatgut untereinander und sichern so ihren Anbau und die Weiterzüchtung, was aber immer schwieriger wird“, sagte sie. Viele Bauern kauften teures patentiertes Saatgut, wodurch sie bei schlechten Ernten ihre Existenz aufs Spiel setzten, da sie das Saatgut in der Regel nur auf Kreditbasis kaufen könnten. Dr. Shiva zu den dramatischen Folgen: „Seit der Einführung des verteuerten gentechnisch veränderten und patentierten Baumwollsaatgutes haben Tausende von Bauern Selbstmord begangen“.
 
Der Einsatz der indischen Nobelpreisträgerin bestärkt die kirchlichen Verbände in ihrem Engagement. Auf politischer Ebene geht es nun vor allem darum, zu erwirken, dass das europäische Patentrecht die Patentierung von Pflanzen und Tieren eindeutiger verbietet.
Lothar Kleipaß
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