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28.06.2010

Mit Elektro-Radln das Klima retten? - KLB Augsburg startet Klimakampagne

„Klimaforscher und Religion sind verwandt!“ Mit dieser ungewohnten Verknüpfung sieht sich der Heidelberger Professor für Umweltphysik Dr. Klaus Pfeilsticker Seite an Seite mit den Delegierten der Katholischen Landvolk-Bewegung in der Landvolkshochschule Wies. Beide handeln aus der Verantwortung für kommende Generationen heraus. Beide denken nicht nur an das eigene Wohlergehen, sondern an das der Kinder und Kindeskinder. Während Politiker oft „kurzatmig“ sind, wenn sie nur von Wahl zu Wahl denken, „denkt“ das Klima in Generationen. So erklärte der Klimawissenschaftler, dass das heutige Klima bereits vor 40 Jahren „gemacht“ wurde. Unseren heutigen viel zu hohen C02-Austoss bekommen wir und mehr noch unsere Nachfahren erst um 2050 zu spüren.

Prof. Klaus Pfeilsticker hat ins Schwarze getroffen.
Auch die Augsburger Diözesanvorsitzende Elisabeth Konrad bestieg ein E-Bike.
"Wer soll die Folgen des Klimawandels ausbügeln?" fragte Pfarrer Remmele im geistlichen Wort.
 
Deshalb sei sich die „Gemeinde der Klimaforscher“ einig: Wir müssen uns auf eine Klimaerwärmung einstellen: Wenn nicht ab sofort mit aller Macht gegengesteuert wird, werden wir bis zum Jahr 2100 im Sommer eine Temperaturerhöhung um 4 bis 4,5 Grad haben und im Winter wird es 3 bis 4 Grad wärmer sein. Weil sich nicht nur die Temperatur ändern wird, sondern auch der Faktor Niederschläge, wird dies große Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben. Es wird zu einer Änderung der Klimazonen mit Gewinner- und Verliererregionen kommen. An der Donau in Bayern z. B. kann Weinanbau möglich werden, in anderen Gegenden ist jedoch der Getreideanbau wegen Wassermangel einzustellen. Wenn man heute immer noch hören könne, „Klimaveränderung habe es immer gegeben“, so Prof. Pfeilsticker, „dann sei das die Ausrede derer, die keine Verantwortung tragen wollen.“ Natürlich wird es wie zu allen Zeiten Schwankungen geben. Weiterhin wird es heiße Sommer und eher verregnete Sommer geben, aber es kommt auf die bereits heute messbare Tendenz an. Dies ist der erste Themenkomplex, wenn das Landvolk die Herausforderungen der Klimaerwärmung bewältigen will, wie es die Kampagne beabsichtigt.
Angefeuert wird die Problematik durch die vorhandenen Daten über die Reichweite der fossilen Energieträger. Zwar wird es auch über die nächsten 50 Jahre hinaus Erdölvorkommen geben, die Förderung wird aber um ein Vielfaches teurer und schwieriger werden. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist nur ein Vorgeschmack darauf. Auch aus diesem Grund ist eine Kehrtwende im Energieverbrauch unumgänglich. Pfeilsticker: „Wir sind um den Faktor 4 von dem entfernt, was wir verbrauchen sollten. Das heißt: Wir sollten viermal weniger verbrauchen als heute.“
Pfeilsticker sieht sich aber keineswegs als Untergangsprophet. Als Physiker stelle er die nüchternen Zahlen und deren Bedeutung der Gesellschaft zur Verfügung. Gemeinsam mit den 90 Delegierten des Landvolks sieht er aber auch Zeichen der Hoffnung: Die notwendige C02-Reduzierung auf 2,5 Tonnen pro Bundesbürger sei zu schaffen. Wir haben in Deutschland nicht nur das technische, wirtschaftliche und finanzielle Potential dazu. Auch die für die Umsetzung erforderlichen organisatorischen und kommunikativen Fähigkeiten seien in unserem Land so gut wie nirgendwo vorhanden. Elisabeth Konrad, die Erste Vorsitzende der KLB Augsburg, verstärkte die Motivation: „Es braucht das Handeln der politisch Verantwortlichen, und es braucht die Akteure wie Dich und mich ich. Wir müssen die Debatte in die Dörfer, in die Kommunalpolitik und insbesondere auch in die Pfarreien bringen“, z.B. wenn in der eigenen Gemeinde ein regeneratives Energie-Projekt zur Debatte steht. Die KLB sollte sich nicht zu Pauschalhaltungen verleiten lassen, nach dem Motto: „In meine Gemeinde kommt kein Windrad“, sondern für eine faire und intelligente Einschätzung der Vor- und Nachteile sorgen. „Es geht immer ums Abwägen, nicht um ein Entweder-Oder“, so Prof. Pfeilsticker.
Sechs Workshops zeigten dann auf kreative Weise die Möglichkeiten zur Umsetzung. Die Lust auf den persönlichen Klimawandel wurde buchstäblich beflügelt beim Ausprobieren von E-Bikes und Pedelecs, das sind elektrisch unterstützte Fahrräder, im Workshop über Gebäudesanierung und über klimafreundliches Kochen. Hans Aigner von ZIEL 21, einer Energie-Initiative im Landkreis Fürstenfeldbruck, prognostizierte dem Ausbau der regenerativen Energie und der Umstellung auf Elektro-Autos eine große Zukunft. Intelligente Stromnetze und -zähler sind ein Teil der Lösungen, dass in Zeiten, wo zu viel Sonnenenergie da ist, Batterien und Akkus aufgeladen werden.
So unterschiedlich die Workshop-Inhalte auch waren: Das erste Ziel muss die Reduzierung des Energieverbrauchs durch Sparen sein. Auch wer mit Holz heizt, sollte sparen: „Isolier zuerst Dein Haus, dann brauchst du nicht mehr 20 Ster Brennholz, sondern nur noch fünf Ster.“ Dass viele Teilnehmer im privaten Engagement bereits Ernst machen mit dem Klimaschutz, wurde an den Berichten einzelner Teilnehmer deutlich: einer betreibt im eigenen Garten ein Windrad speist den Strom ins Netz ein.

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