Bruder-Klaus-Kapelle in Reimlingen eingeweiht

Mittwoch, 8. Juni 2022

Familie Wohlfrom errichtete in Reimlingen eine neue Kapelle an Stelle der alten Marienkapelle. Warum sie einem anderen Heiligen geweiht ist und welche Rolle ein Onkel dabei spielt.

Die Kapellenstraße in Reimlingen macht ihrem Namen alle Ehre. Es gibt dort gleich mehrere Kapellen, eine befindet sich auf dem Grundstück der Familie Wohlfrom. Die vor rund 120 Jahren gebaute Marienkapelle wurde 2021 abgerissen, der Neubau an fast gleicher Stelle wurde mit einem großen Fest und über 250 Gästen jetzt eingeweiht.

Die Marienkapelle hatte in seiner Familie immer eine große Bedeutung, sagt Paul Wohlfrom. Besonders seiner Mutter Berta habe dieser Ort auf dem Hof zeitlebens sehr am Herzen gelegen. Kurz vor ihrem Tod 2018 hatte sie sich gewünscht, dass die Kapelle erhalten bleibt. Denn: das Problem war die alte Linde direkt daneben. Die Wurzeln hatten das Mauerwerk aus Bruchsteinen stark angegriffen. Eine Renovierung wurde angedacht. Schließlich entschieden sich Paul Wohlfrom, seine Frau Claudia, seine Geschwister Anneliese, Walter und Xaver und die Kinder, Neffen und Nichten, alle zusammen einen Neubau im Stile der alten Kapelle zu verwirklichen – ein paar Meter versetzt, um dem Wurzelwerk des alten Baumes auszuweichen. Befreundete Handwerker halfen bei den Maurer-Arbeiten, ein Sohn und sein Kumpel schreinerten einen Altar aus einer Ulmenwurzel und einer Nussbaumplatte. Xaver Wohlfrom restaurierte das schmiedeeiserne Tor der Marienkapelle, das in der neuen Kapelle wieder zur Geltung kommt. Die alte Marienkapelle wurde schließlich abgerissen.

„Während der Bauarbeiten haben wir immer wieder überlegt, welchem Heiligen wir die Kapelle weihen lassen sollten“, erzählt Paul Wohlfrom. Es sollte ein Heiliger sein, der einen Bezug zur Familie und zur Landwirtschaft hat. Ein Bruder seines Vaters, auch ein Paul Wohlfrom, war Landvolkpfarrer für ganz Bayern. Der Neffe Paul und seine Brüder waren bei den ersten Bruder-Klaus-Wallfahrten, die der Onkel iniitiert hatte, dabei. „Bruder Klaus von Flüeli steht für das Landvolk und auch für unsere Familie“, sagt Wohlfrom. Auf dem hölzernen Altar hat jetzt eine geschnitzte Bruder-Klaus-Figur Platz gefunden, die bisher im Büro der Landvolk-Bewegung in Augsburg stand und seinem Onkel gehörte. Über dem Eingang der Kapelle steht ein aus Granit gefertigter Heiliger Jakobus, den ein Cousin Wohlfroms aus seinem Erbe des Onkels beigetragen hat. Der war nämlich auch ein begeisterter Wallfahrer nach Santiago de Compostela. Nach dieser stimmigen Gestaltung, war es der Familie Wohlfrom wichtig, mit allen Beteiligten und vielen Freunden und der ganzen Familie zu feiern und gleichzeitig an den Onkel zu erinnern, der in diesen Tagen seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte.

Feierlich und persönlich gestaltete Landvolkseelsorger Dominik Zitzler, Abteilungsleiter Verbände und Initiativen von Gläubigen in der Diözese Augsburg, den Wortgottesdienst unter freiem Himmel. Bruder Klaus sei ein Vorbild auch in der heutigen Zeit: „Er stiftete Frieden und eröffnet bis heute neue Wege“, sagte Pfarrer Zitzler. Dieter Haschner, Geschäftsführer der Katholischen Landvolkbewegung, würdigte in seiner Ansprache das Lebenswerk des Prälaten Paul Wohlfrom. Dieser habe in seinen Predigten immer wieder starke Impulse gesetzt und sei ein gottverbundener, zupackender Mann des ländlichen Raumes gewesen. Seine Herkunft aus der Landwirtschaft habe ihn ausgezeichnet, er übernahm Verantwortung für die Schöpfung. Ab 1969 war Prälat Wohlfrom 35 Jahre lang Landvolkseelsorger in Bayern.

Gut 250 Gäste waren bei der Einweihung dabei, die hervorragend musikalisch von Edmund Ratka und seinem Bläser-Sextett umrahmt wurde. Ratka selbst hatte die Notensätze zu den modernen Kirchenliedern für seine Musikanten arrangiert. Bei Kaffee und Kuchen im Schatten der alten Linde klang der Nachmittag in Reimlingen aus.

Text und Bilder: Christina Zuber.