Eine Europaschule stellt sich vor: Ich bin Europa - und Du auch!"

Mittwoch, 21. November 2018

Bildunterschrift: Der zweiten KLB-Bundesvorsitzenden Martha Hänsler (Lachen, Bildmitte) brennt das Thema Europa förmlich auf den Nägeln. Eine offene Plattform dafür schufen die Europaschule Babenhausen mit Schulleiter Martin Rister (r.) mit Landvolkvorsitzendem Andreas Ruf (Mitte). Kira Geier und Tim Lukewitz halten die Europafahne. Michael Sell als Leiter der Jugendbildungsstätte (2.v.rechts), Lehrerinnen und Schüler erleben Europa als durch ständige Begegnung.

Eine ganz neue Welt erschloss sich den Schülern der Europaschule in Babenhausen, als sie nach einer Woche Schüleraustausch aus Frankreich zurückkamen. In einem Anspiel verdeutlichten Tim Lukewitz und Kira Geier: „Ich kann verstehen, was meine Lehrerin spricht“.

Die Landvolkgemeinschaft Ottobeuren-Babenhausen hatte mit dieser Veranstaltung am 14. November 2018 die Bundeskampagne der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) aufgegriffen: „Ich bin Europa – und Du auch!“. In der Anton-Fugger-Realschule erlebten sie ausdrucksstark, wie die Fremdsprache Französisch zur Freundsprache wurde.

Inzwischen knüpfte die Schule auch Kontakte bis nach Israel und fand selbst dort europäische Wurzeln. Schulleiter Martin Rister ist von den vielfältigen Engagements seiner Lehrer und Schüler fasziniert. Mit ihrer zweiten Fremdsprache, neben Englisch, haben sie gute Perspektiven und das Abitur in der Tasche. Insbesondere die persönliche Begegnung bringen Menschen einander näher.

Infolge des Zweiten Weltkriegs war die Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland lange Zeit angespannt. Doch Konrad Adenauer und Charles de Gaulle arbeiteten seit 1958 am Aufbau einer deutsch-französischen Freundschaft. Am 22. Januar 1963 unterzeichneten sie im Pariser Élysée-Palast die Verträge dazu, umarmten sich und gaben sich den „Bruderkuss“.

Eine enge Freundschaft pflegt Babenhausen seit 1989 mit den Orten Argentré, Louvigné und ganz neu mit Soulgé-sur-Ouette. Alle zwei Jahre macht der Partnerschaftsverein abwechselnd im Departement Mayenne oder im Unterallgäu ein mehrtägiges Treffen.

Der zweiten KLB-Bundesvorsitzenden Martha Hänsler brennt das Thema Europa förmlich auf den Nägeln: „Wir dürfen die Chance Europa nicht vertun“. Den Austausch findet sie hervorragend, denn „nur was man kennt, schätzt und liebt, wird erhalten“. Jeder sei Teil Europas, unterstrich Landvolkvorsitzender Andreas Ruf.

Ebenso sehen es die 48 Lehrer der Schule, die oft schon selbst in den Nachbarländern waren. Dabei reisen die Schüler und Jugendlichen für eine Woche zu ihren Partnern. In gemischten Gruppen lernen sie mehrere Tage das neue Umfeld und sich gegenseitig kennen. Überraschend schnell merken die Schüler, wieviel Gemeinsamkeiten es gibt. Besonders markant fallen die deutsche Präzision und die französische Lebensart auf. Wie so ein Treffen sich auf das ganze Leben auswirkt, schilderten Kira Geier und Tim Lukewitz: „Erst mit dem echten Erleben entsteht Empathie“.

Im neuen Projekt ERASMUS+ begegnen sich Schüler aus Italien, Österreich, Rumänien und Deutschland. Je 10 Schüler „lernen und leben in Vielfalt“ in multikulturellen Rollen. Gemeinsam lernen sie mit Konflikten umzugehen. Zusammen mit Jugendlichen aus Israel wollen sie ein Stück des Jakobswegs nach Santiago de Compostela gehen.

Auf ihrer abschließenden Podiumsdiskussion zeigten Austauschschüler, Lehrer und Michael Sell als Leiter der Jugendbildungsstätte nochmals „Momentaufnahmen voller Gefühle und beflügelnder Emotionen“. Europaministerin Beate Merk zeichnete 2017 die Schule mit der Europaurkunde aus. Rister verdeutlichte: „Eigentlich tun wir nur unsere Pflicht. Nur wer auch über die Grenzen Europas hinausschaut, kann dazu beitragen, innerhalb Europas Frieden zu haben“.

Josef Diebolder, KLB Ottobeuren