Freundschaft verbindet – KLB Bayern pflegt Partnerschaft Bayern – Senegal Abend der Begegnung mit Erzbischof Ndiaye (Dakar) und weiteren Gästen aus dem Senegal am Petersberg

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Zu einem Begegnungsabend mit Freunden aus dem Senegal am Montag, 18. Oktober, hatten die Katholische Landvolkbewegung in Bayern (KLB) und die Katholische Landvolkshochschule Petersberg (Erdweg, Landkreis Dachau) im Rahmen des Weltmissionsmonat Interessierte eingeladen. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Abteilung Weltkirche im Erzbischöflichen Ordinariat München und von missio München.
Sechs von sieben Diözesanverbänden der KLB in Bayern pflegen zum Teil seit 40 Jahren eine Partnerschaft mit einer katholischen Diözese im Senegal. Der Münchner Diözesanverband, der eine Partnerschaft mit Ecuador eingegangen ist, organisierte diese Veranstaltung dennoch mit, weil heuer die zentralen Festlichkeiten zum Weltmissionsmonat in der Erzdiözese München und Freising stattfinden und „weil wir über die Kontinente und Religionen hinweg voneinander lernen können, eine Welt in Frieden und Gerechtigkeit zu gestalten“, erläuterte der Münchner KLB-Geschäftsführer Manfred Wilkens seine Motivation, an der Begegnung mitzuwirken.
Die Augsburger Bildungsreferentin Vera Schanz moderierte nach einer eindrucksvollen Einführung zu „40 Jahre Partnerschaft der KLB mit dem Senegal“ durch den Regensburger Geschäftsführer Klaus Hirn drei Gesprächsrunden mit jeweils zwei Gästen.

Erzbischof Benjamin Ndiaye aus Dakar: Priester möglichst nah an Menschen
In der ersten Runde begrüßte sie Erzbischof Benjamin Ndiaye aus Dakar, der Hauptstadt des Senegal. Seine Diözese hat viele Herausforderungen nicht nur in der Hauptstadt. Einige ländlichen Regionen verstädtern und das bringt soziale Probleme mit sich, daher möchte er seine Diözese teilen. In einer Studie habe er feststellen können, dass in Regionen, die vor der Stadt liegen, die Nachfrage nach christlichen Pfarreien vorhanden sei, denn oftmals gehe mit einer spirituellen Entwicklung auch ein wirtschaftlicher Fortschrift einher. Die Diözese möchte eine Pastoral fördern, bei der die Priester möglichst nah an den Menschen sind.
Eine Dynamik in der Pastoral und bei den Menschen erfordere eine Antwort bei den Priestern. Wie es mit dem Priesternachwuchs in seinem Bistum bestellt ist, lässt er ein wenig offen. Aber er hofft auf gute Ergebnisse des Synodalen Weges auf Weltebene, damit auch in Zukunft Priesternachwuchs möglich ist.

Caritas im Senegal möchte Perspektive für Menschen im Klimawandel schaffen
Der zweite Gast der Gesprächsrunde war Abbé Fulgence Coly, Priester und Direktor der Caritas der Diözese Ziguinchor. In seiner Diözese sei es wichtig, sich mit den sozialen und diakonalen Fragen zu beschäftigen. Die Caritas beschäftige sich auf ganzheitliche Art und Weise mit der Entwicklung der Menschen vor Ort.
Viele Menschen im Senegal leben von der Landwirtschaft. 55 % der Menschen sind im ländlichen Bereich zu Hause. Viele junge Menschen sind arbeitslos. Die Caritas möchte eine Perspektive für diese Menschen schaffen. Ein weiterer Aspekt für die Kirche und die Caritas ist der Klimawandel, der sich insbesondere für die Landwirtschaft negativ auswirkt. Die Politik sei hier nicht so wirksam, wie es notwendig wäre und daher sei es Aufgabe der Caritas, hier aktiv zu werden.
Es gebe internationale Projekte, die einzeln Wirkung zeigten. Aber es gebe auch viele junge Menschen, die sich bewegen und ihre Heimat verlassen und keine Zukunft für sich im Senegal sehen. Das sei so ähnlich wie eine Bombe, die kurz vor der Explosion stehe und nur noch einen Funken brauche, dass sie sich entzünde, sagte der Caritasdirektor Abbé Coly. Die Bauern im Senegal bräuchten Informationen und Bildung, weil durch den Klimawandel Anpassung notwendig sei. Frieden und Entwicklung gehören dabei unmittelbar zusammen. Das geschieht auch durch die Unterstützung von missio und der KLB-Diözesanverbände in Bayern.

Erzbischof Benjamin Ndiaye verweist auf „Kampf um Gerechtigkeit und Frieden“
Auch Erzbischof Benjamin Ndiaye wies auf die Themen Migration und Flucht hin. Es sei sehr wichtig, dass junge Menschen an ihr Land glaubten. Es sei wichtig, dass sie selbst die wichtigsten Akteure der Entwicklung seien und das betreffe auch die lokalen Regierungen, sagt Erzbischof Ndiaye und verweist auf einen 25 Jahre alten Brief mit dem Titel „Kampf um Gerechtigkeit und Frieden“. Die Themen seien auch heute aktuell, insbesondere für junge Menschen in Afrika. Die sich ausbreitende Wüste und die Jugendarbeitslosigkeit seien ein Drama, dass die Gesellschaft nicht länger akzeptieren dürfe. Alle Verantwortlichen seien aufgefordert, sich an Lösungen zu beteiligen, ermahnte der Erzbischof der senegalesischen Hauptstadt Dakar die Anwesenden.

Eindringlicher Appell zur Partnerschaft in Zeiten der Flucht auf dem Mittelmeer
Missio- Referent Michael Krischer unterstrich in einem spontanen Statement, dass es wichtig sei, was der Erzbischof beschrieben habe, „dass junge Leute sich aufmachen, aufs Meer gehen und alles auf sich nehmen, um nach Europa zu kommen“. Und das sei auch ein Punkt, den die Kirche im Senegal in besonderer Weise im Blick habe. Es sei ein Skandal, dass die jungen Leute auf ihrer Flucht im Meer ertrinken. Das solle man hier mit der entsprechenden Solidaritätshaltung wahrnehmen „und schauen, wie wir da mithelfen können“. Ein eindringlicher Appell von Michael Krischer, der auch nach vier Jahrzehnten Partnerschaft nichts an seiner Aktualität verloren hat. Menschen sterben nach wie vor im Mittelmeer, weil sie eine Lebensperspektive suchen. Missio München unterstützt die Menschen im Senegal, damit sie dort eine Zukunft haben.

Weitere Bischöfe betonnen die Not auf dem Land im Senegal
In den weiteren Gesprächsrunden traten Bischof Martin Boucar Tine aus der Diözese Kaolack und Gerd Schneider, Diözesanvorsitzender der KLB Würzburg, an die Interviewtische. Danach der katholische Bischof von Thiès, André Guèye, zusammen mit dem Muslimen Kalif Mountaga Tall aus Dakar. Alle Gesprächspartner stimmten der Analyse der Situation ihrer Vorredner zu. Die soziale und wirtschaftliche Lage insbesondere in den ländlichen Regionen sei sehr ernst. Bischof Martin aus Kaolack steht einer sehr ländlich geprägten Diözese vor, wovon 90 Prozent der Menschen Muslime seien. Daher sei der caritative Dienst der Kirche immer auch ein Dienst für alle Menschen, denn die Probleme der Menschen seien im Senegal die gleichen, egal welche Religion die Menschen hätten. Der Austausch von Muslimen und Christen gehe auf eine lange Tradition zurück. Das sei der Grund dafür, dass es die Partnerschaft mit der KLB gebe, um auf die verschiedenen Lebensprobleme Antworten zu geben. Ziel sei es aber stets, die Menschen zu befähigen, dass sie ihre Herausforderungen selbst lösen könnten.
Bischof André Guèye aus Thiès betonte in seinem Statement das gute Miteinander im interreligiösen Dialog. Auch für uns als Christen sei der Ruf des Muezzin ein Aufruf zum Gebet, wie ihn Mönche in der Frühe am Morgen kennen. Christen und Muslime hätten im Allgemeinen gute Verbindungen zueinander. Die Religionen tragen dazu bei, die soziale Verbindung zu stärken und die Entwicklung des Senegals zu fördern.

Mosaik-Stelen gemeinsam als künstlerische Erinnerung geschaffen
Nach den Interviews lud die Künstlerin Gabriele Schlüter die Teilnehmenden und Gäste aus dem Senegal und Bayern dazu ein, zwei Stelen mit Mosaiksteinen zu verzieren, von denen eine in Bayern verbleiben und eine in den Senegal gebracht werden soll. Jede Person suchte Teile aus und setze es zum Ganzen dazu. „Ein Mosaik besteht aus vielen Teil und zusammen wird es etwas Gutes. In geschwisterlicher Liebe baut man es zusammen mit allen Unterschiedlichkeiten, die da sind. Menschen, die anpacken, so wie Sie“ sagte die Künstlerin.
Zum Tagesabschluss luden der Würzburger und der bayerische Landvolkseelsorger Wolfgang Scharl und Josef Mayer zum Gebet und zur Musik der Mönche des Kloster Keur Moussa in die Basilika am Petersberg ein. Dort wurden Bitten, Dankesworte und Texte aus der Bibel vorgetragen. Umrahmt wurde der Gottesdienst von den gregorianischen Chorälen der Mönche aus dem Senegal, begleitet von den Klängen der Kora, einer Stegharfe.
Manfred Wilkens, KLB München-Freising