Glaube zu Fuß

Mittwoch, 24. Juni 2020

Regina Schmid, KLB Dinkelscherben und stelltvertretende Vorsitzende des KLB-Bildungswerks, hat ihre Erfahrungen und Erlebnisse über die Flüeli-Fußwallfahrt dargelegt.

Es hat viel Ausdauer und Geduld von einer Kollegin gefordert, bis ich mich endlich aufraffen und entschließen konnte, bei der Fußwallfahrt nach Flüeli mitzugehen, den Lebensort des heiligen Klaus von Flüe. Immer wieder hat sie mir vorgeschwärmt, da sie wusste:  das wäre was für mich!!! Doch Ausreden gab es viele. 2011 fügte es sich dann aber und ich stand auf der Teilnehmerliste zur Fußwallfahrt in die Schweiz, organisiert und durchgeführt von der Katholischen Landvolkbewegung (KLB). Diese Pilgertage beginnen jedes Jahr am letzten Juliwochenende, wir sind 6 Tage auf dem Weg von knapp 200 Kilometern, insgesamt etwa 190 Pilger in zwei Gruppen. Die körperliche Vorbereitung begann für mich bereits im Mai – und das ist auch gut so, denn je besser der Körper trainiert ist, umso mehr kann man sich inhaltlich auf die Herausforderung dieser Tage einlassen (wurde mir allerdings erst nachher bewusst). Meine Lebenssituation war irgendwie geordnet und doch durch verschiedene Gegebenheiten, die im Leben einer Ehefrau, Mutter, Hausfrau und Teilzeitsekretärin eben nicht zu beeinflussen sind, auch in einem gewissen Chaos.

Die Tage des Gehens mit den Wallfahrern der KLB sind sehr strukturiert und bestens organisiert, was für eine Gruppe mit 100 Menschen mit ganz unterschiedlichen Charakteren auch ganz, ganz wichtig ist. Um 3 Uhr nachts heißt es aufstehen, um 4 Uhr startet der Pilgertag im Schweigen, welches mit dem Rosenkranzgebet gebrochen wird und uns im Tag ankommen lässt ….. ich habe es sehr zu schätzen gelernt, dass mir in diesen Pilgertagen so gut wie alles abgenommen wird, ich muss lediglich „gehen“; der Weg ist geführt, die Brotzeitplätze sind bestellt, das Abendessen gerichtet – ich muss fast keine Entscheidungen treffen und kann mich einfach leiten lassen: herrlich! Den Glauben und das Leben teilen! Sonst nichts! Leiten und begleiten lassen von lieben Mitmenschen und von Gott. Ich musste zwar gehen, aber irgendwie wurde ich getragen von der Liebe Gottes. Mir tut es unwahrscheinlich gut, das nicht nur zu wissen, sondern das auch mal spüren zu dürfen. Es hat mein Leben irgendwie verändert, mein Gottvertrauen ist vom Kopf ins Herz gerutscht!

Zurück zum Chaos und der Ordnung meines Lebens. Am Ende meiner ersten Wallfahrt gab es ein schönes Bild in meinem Kopf: In meiner Küche gibt es verschiedene Schubladen mit allerhand Zeugs drin – manche Schubladen haben eine gute Ordnung, aber eine Schublade (mit Utensilien wie Schöpflöffel, Schneebesen und vielem mehr) gibt es, da muss ich manchmal rütteln, dass sie zugeht! Genauso ist es mit der Lebensschublade, gefüllt mit Erlebnissen, Enttäuschungen, Leid, Glück und vielem mehr. Ich konnte diese Lebensschublade bei diesem Unterwegssein komplett leer räumen, auswischen (was sich mit ganz vielen Tränen zeigte) und dann wieder vorsichtig einräumen mit Dingen, die es wirklich braucht; manches kann entsorgt werden und ganz Besonderes bekommt ganz vorne den besten Platz, quasi „griffbereit“. So waren es bei mir die Leichtigkeit und Lebensfreude, die mir irgendwie ganz nach hinten gerutscht waren, ohne dass ich es bemerkte. Ich hab mir ganz fest vorgenommen darauf aufzupassen, was gar nicht so einfach ist. Zum Glück gibt es diese Wallfahrt, um diese gute „Schubladenordnung“ im Blick zu behalten und bei Bedarf dann immer wieder herzustellen!

Der Schritt zurück in den Alltag gelingt mir allerdings dann nur schwer, sich von dem Getragen-sein wieder loszureißen und einzufinden, dort, wo sich eben mein Leben gerade befindet – das ist jedes Mal wieder eine echte Aufgabe für mich. Meine Kinder sagten anfangs zu mir „Mama sitzt wieder auf der Flüeli-Wolke“, aber mein Mann weiß jetzt „Die wird schon wieder“.

Das Foto (von Siegfried Zengerle) entstand bei der 40. Fußwallfahrt 2017, meiner damals achten - nach Flüeli. Am 5. Pilgertag geht es von Maria Einsiedeln nach Beckenried am Vierwaldstättersee. Der Anstieg zum Haggenegg, dem geografisch höchsten Punkt auf unserem Weg durch die Schweiz, ist für mich ein sehr berührender Moment. Als dürfte ich Gottes Liebe spüren, als berühren sich hier Himmel und Erde. Auf jeden Fall weiß ich: nicht ich habe die Liebe, sondern die Liebe hat mich!

 Dieser Pilgerweg wird von Priestern und pastoral Ausgebildeten, aber auch vielen Laien inhaltlich begleitet; dadurch kommt die Vielfalt des (Glaubens)Lebens ins Spiel und diese gesunde Mischung hat sich sehr bewährt. Die KLB wagt jedes Jahr aufs Neue die Herausforderung – sich zusammen mit den Menschen auf den Weg zu machen und im Gehen miteinander ins Gespräch zu kommen, über Gott und die Welt. Die KLB freut sich über alle, die mitgehen und mitgestalten wollen – daher sind alle Interessierten jederzeit herzlich willkommen. Informationen gibt es im Büro der KLB (0821/3166 3411) bzw. direkt unter www.klb-augsburg.de.

Anmerkung der Redaktion: In diesem Jahr kann die Fußwallfahrt nach Flüeli auf Grund der Corona-Krise leider nicht stattfinden.