Impulse zu Allerheiligen

Dienstag, 9. November 2021

Draußen, an einem warmen Herbsttag spazierten viele Menschen an der Ottobeurer Basilika entlang, doch das Katholische Landvolk Ottobeuren-Babenhausen hatte „Impulse zu Allerheiligen“ im Blick. Religionslehrer Thomas Frommel nahm das österliche Wetter beim Namen und erinnerte, wie das Fest der Osterzeit auf das keltische Neujahrsfest gelegt wurde. Denn der heidnische Brauch sollte so unterbunden werden. „Allerheiligen und Allerseelen“ gelte allen unbekannten Heiligen über die 7000 namentlich im Heiligenregister verzeichneten hinaus. Für Thomas Frommel kann das ebenso „die alte Bäuerin sein, die ihr Leben dem Bauernhof und ihrer Familie gewidmet hat“. Solchen Menschen gelte das Fest. Noch immer werde gedacht, wie es die Figuren zwischen den Basilikatürmen zeigen, seien Heilige weit über einem stehend. Dabei sei jede Person gemeint, die sich für das Gute einsetze. Die Kirche wolle mit Allerheiligen zeigen: „Gott spricht jeden an, wir sind ihm die Wichtigsten“. Heilige sind für Frommel, „Menschen in denen Gott aufleuchtet“.
Bei seiner neuen Wanderung mit dem Landvolk blickte Frommel in das Umfeld mit „allerlei – heiligem“. Die Menschen würden in der Welt immer nach „Heilem“ suchen und Heilsames spüren. Weil der kleine Marienkäfer als Nützling sich über Blattläuse hermacht, habe er diesen Muttergottes-Namen erhalten. Bis heute sei er ein Glücksbringer. Ebenso suchten Menschen „heilende Orte“ auf, wie etwa die Kirchen oder den Kräutergarten. Mit dem Kloster sei das Wissen um heilsame Kräuter auch in Ottobeuren gewachsen. Ihre weiten Beziehungen hätten viele Pflanzen und das Wissen aus dem Mittelmeerraum hergebracht. Mit seiner Bad-Kultur habe Ottobeuren in seiner Geschichte viel Heilung verschafft. Denn das „Kurieren“ bedeute „Heilung verschaffen“, so Frommel.
Seit 2003 besteht der „Ottobeurer Kräutergarten“ und soll an 1250 Jahre Klostertradition hinweisen. Mitsamt Samen, Stecklingen und Pflanzen, brachten Mönche im 7. Jahrhundert ihr praktisches Heilswissen der Antike hierher. Ihre Fürsorge für Kranke sahen Mönche und Klosterfrauen als gelebten Glauben. Bis in die jüngere Geschichte lebten Priester auch als Heilkundige, weist Thomas Frommel auf „Wasserdoktor Sebastian Anton Kneipp“ hin. Georg Jutz als Vorsitzender des Bund Naturschutz Ottobeuren betreut den Kräutergarten und hat ein Beet mit „Wintergetreide“ angesät. Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel und Emmer keimen in der kühlen Erde. Für Jutz ist es wichtig, nicht nur Blumen und Gemüse zu zeigen, sondern wie unser Brot als Getreide heranwächst. Ein Beet ist für „Pflanzen der Bibel“ reserviert.
Um Ottobeuren führen „Erholungswege“, die auf die empfindsame Welt und Natur hinweisen. 71 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Als junger Mann bekam Sebastian Kneipp ein Büchlein über die Heilkraft des Wassers in die Hand. Schon als Viehhirte in Stephansried mit feuchten Wiesen erkannte Kneipp, wie die Tiere sich Labsal im Wasser holten. Mit der Wasserkur konnte Kneipp sich heilen und selbst Priester werden. Seine „Fünf Säulen-Lehre: Wasser, Bewegung, Ernährung, Pflanzen und die rechte Ordnung (Balance)“ lebte Kneipp. Bis zu 80 Prozent des menschlichen Körpers bestehen aus Wasser, verdeutlicht Frommel, wie entscheidend dieser Lebensstoff ist. Im Leben die rechte Balance zu finden, helfe ihm der Blick als gläubiger Mensch. „Gott in zeitloser Präsenz zu erfahren verändert die Sichtweise“ auf das Leben. „Heil sein ist mehr als nur gesund sein“, wünscht Frommel, „ein geordnetes Leben zu führen“.
Die Basilika von Ottobeuren habe über ihrem Hauptportal in goldenen Lettern stehen. „Das Haus Gottes und Himmels Pforten“. Damit sollten die Menschen erkennen, hier berühren sich Himmel und Erde. In der Heiligen Schrift, erinnert sich Frommel sei Moses zur Gottesbegegnung auf den Berg Sinai gestiegen. Auch Jakob sah auf der Himmelsleiter Engel auf die Erde steigen. Sie erfuhren von Gott: „Ich behüte dich, wo immer du bist“.
Josef Diebolder