KLB Augsburg auf den Spuren des Heiligen Martin

Montag, 22. November 2021

Fortsetzung der Pilgerreise im Bistum Trier

 

Endlich konnte die Pilgerreise doch stattfinden, nachdem sie Corona bedingt bereits zweimal verschoben werden musste. Die Verantwortlichen der KLB wählten die ca. 100 km lange Route von Hoxel über Börfink, Nonnweiler und Hermeskeil nach Trier.  Wie bereits im Jahr 2019 bei der ersten Etappe des Europäischen Kulturweges, der die Geburtsstadt des Hl. Marins Szombathely in Ungarn mit seiner Grablege in Tours in Frankreich verbindet, übernahmen Konrad Reiber die organisatorische Leitung und Annemarie Grätsch die geistliche Begleitung.

Untergebracht war die Gruppe in einem familiär geführten Landgasthaus, wo sie täglich kulinarisch bestens für die Pilgertage versorgt wurde.

 

Auf den Spuren von Sankt Martin in Trier

 

Die erste Station am Anfahrtstag war die alte Römerstadt Trier. Hier führte  Hans-Georg Reuter die Pilgerschar fachkundig zu historischen Martinsorten wie die Konstantin Basilika, das Forum, die Thermen am Viehmarkt und die konstantinischen Kirchenanlagen, heute Dom und Liebfrauenkirche. Er schilderte Martinus als zweiten Christus, als Wundertäter, als Nothelfer und großen Beter. Als Bischof von Tours weilte Martin zwischen 371 und 386 mehrfach in der Stadt als angesehener Gast am Kaiserhof, vornehmlich zu kirchenpolitischen Beratungen. Er trat für den  angeklagten häretischen  Bischof Priscillian ein, der jedoch nach der Abreise Martins aus Trier 385 zum Tode verurteilt wurde.

 

Die Wallfahrer unterwegs auf Schusters Rappen

 

Die Gesamtwegstrecke war in fünf Tagesetappen unterteilt und führte größtenteils über den Saar-Hunsrück-Steig über teils schmale und auch steile Anstiege durch den Nationalpark Hunsrück-Hochwald über den Erbeskopf, mit 816 m die höchste Erhebung von Rheinland- Palz, bergauf in die steilen Lagen der Weinberge bei Kasel. Trotz Regen und Wind genossen die Pilger die bunte Herbstlandschaft, eingetaucht in wunderbare Licht- und Schattenspiele. Bei der Anfahrt zur jeweiligen Tagestour stimmte Annemarie Grätsch die Wanderer nach dem Morgenlob auf das Tagesmotto ein. Vorne weg das geschmückte Pilgerkreuz, zogen die Wallfahrer zunächst in einer „Zeit der Stille“ los. Konrad führte die Truppe als „Pfadfinder“ an. Der Martinusweg ist hier nicht eigens ausgeschildert, sondern verläuft auf anderen bekannten Wanderwegen. An passenden Stellen hielt die Pilgerschar an, und Annemarie gab Impulse, um die Sinne für Wahrnehmungen im „Buch der  Natur“ zu schärfen, im „Buch des eigenen Lebens“ zu blättern und um Kraft aus dem Glauben im „Buch der Bibel“ zu finden. Körperübungen und der Austausch der persönlichen Erfahrungen vertieften die Gedanken und Empfindungen.Täglich sang die Pilgerrunde, geschart um das Kreuz den „ Engel des Herrn“ und wo es die Wegverhältnisse zuließen, beteten sie den Rosenkranz. In der Martinuskirche in Mertensdorf stellte Annemarie in der Statio die Verbindungvom Hl. Martin zu der 3G-Regel der Coronna Pandemie her. Getauft – Geliebt – Gesegnet.  Hans Hösle, der Busfahrer erwartete seine Gruppe immer wieder an bestimmten Parkplätzen mit einem Vesperbuffet, Getränken, sowie Kaffe und Kuchen.

Am Ende einer Tagestour, die in Riveris an der Talsperre endete, erläuterte der ehemalige Bürgermeister des Ortes, Herr Jakobsen, den Bau des Projektes, das die Stadt Trier und das Umland mit bestem Trinkwasser versorgt. Einige Mutige stiegen sogar mit ihm in den Kontrollschacht, 34m unterhalb des Staubodenbeckens.

Die letzte Tour endete in Trier und die Gruppe besuchte gemeinsam die St. Matthias Basilika. Die Wallfahrtskirche birgt das einzige Apostelgrab Deutschlands. Danach hatte jeder die Gelegenheit, nach persönlichen Interessen die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden.

 

Der Gottesdienst als Abschluss und Höhepunkt des Tages

 

Am Abend des ersten Pilgertages betete die Pilgergemeinschaft in der Corneliuskirche in Riveris einen besonders gestalteten Rosenkranz, vertieft durch das Entzünden von Kerzen, mit Gegenständen als Symbole am Altar, den Impulsen von Annemarie und durch das Vortragen entsprechender Textstellen aus der Hl. Schrift.

Pfarrer Wolfgang Steinmetz zelebrierte allabendlich die Gottedienste. Dabei stellte er immer wieder die Verbindung zum Leben des Hl. Martin her, der auch in der kleinen Dorfkirche in einem Glasfenster dargestellt ist. Mitgestaltet wurden die Messfeiern durch Annemarie Grätsch, Konrad Reiber als Ministrant, Richard Paul als Rauchfassträger und Lektoren aus der Reihe der Gläubigen. Die Lieder wurden musikalisch begleitet von Konrad Brunner mit der Gitarre. Besonderes Lob zollte Pfarrer Steinmetz der Mesnerin für ihre Dienste, die auch die Glocken der Kirche mit der Hand läutete.

Nach dem hervorragenden täglichen Abendmenü gab es Gelegenheit zur Unterhaltung, zu guten Gesprächen, und wenn Konrad wieder zur Gitarre griff, stimmten alle in die Evergreens aus dem Landvolk-Liederbuch ein.

 

 

Bei der Rückreise in die Heimat begleitete Pfarrer Wolfgang Steinmetz die Gruppe bis Günzburg, um dann mit dem Zug nach Frankfurt zurückzufahren. Für die Pilgerinnen und Pilger ging eine besinnliche, tiefgründige Woche unter dem Motto “Glaube braucht Herz und Verstand“, aufgehoben in einer harmonischen, herzlichen Gemeinschaft, zu Ende. Beigetragen hatte  dazu auch, dass jeder aus der Gruppe sich während der Woche für seinen Schützling wie ein „Engel“ im Sinne Martins sorgte.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer freuen sich schon auf die Fortsetzung des Europäischen Martinusweges -via sancti martini- in Österreich im Mai 2022. Im darauffolgenden Jahr soll dann die letzte Etappe in Frankreich stattfinden mit dem Endziel Tours, wo Martin 371 zum Bischof geweiht wurde, im Alter von 81 Jahren starb und dort begraben wurde.

 

Text und Bilder: Franz Bahle