Kunst in der Natur: Gehen – entdecken – gestalten

Dienstag, 16. April 2019

Wie machen wir das nur mit Einkaufen, mit Putzen? Und mit der Gartenarbeit und dem Sonntagsessen? Und wenn’s regnet? Unvorstellbar, einen ganzen Samstag im Wald, nur mit kleinen Schaufeln, Gartenscheren ausgerüstet und dann ohne Wanderziel, nur mit dem Gedanken, aus dem, was so rumliegt, „Kunst zu machen“. Unvorstellbar vielleicht vorher. Nachher: dankbar für gutes Wetter, für tolle Zusammenarbeit, Freude an einem schönen facettenreichen Bild.

Unter zurückhaltender und doch klarer Anleitung von LandArt-Künstler Hama Lohrmann aus Fischach schwärmte die Gruppe aus, um Materialien zu sammeln. Tiefschwarze Kiesel, wenn nass - grau, wenn trocken. Unterschiedlichste Farben von Erden, Astmaterial mitten in der Verwitterung mit silbergrauen Flechten, frische Forsythienblätter und frühlingssattgrüne Gräser, dürres Schilf, Moose, morschrotes Holzschrot und orange Biberhackschnitzel von der gefällten Wildkirsche. Eine Vielfalt, die in ein Werk drängte. Aber wie? Der Kreis war schnell gewählt als Grundform und dann: Mut zum Anfangen und der Blick, was aus dem konkreten Material an der konkreten Stelle wird, und wie es schon zur Einladung für das nächste Stück aus der Natur wird. Große Flächen, kleine Linien, geschwungen, gerade, nur angedeutet, kräftig. Wo passen die farblichen Akzente?

Ausreichende Pausen für Mittagessen und Kaffee in der Frühlingssonne sorgten für neuen kreativen Schwung, gaben Raum für Familiengeschichten oder politische Rahmenbedingungen – alles war dabei. Und auf einmal stand die Feststellung, jetzt ist das Kunstwerk ja schon fertig, Zeit für die einzige Art, es dauerhaft zu machen, also zu fotografieren. Und sich dann zu verabschieden davon –müde, auch ohne Hausputz und Straße kehren. Was bleibt? Eine neue Erfahrung von Werden und Vergehen, vom Gelingen gemeinsamen Gestaltens mit nur wenig im Gepäck und viel Vertrauen in das, was ist. Ein vorösterlicher Tag.

Dieter Gruber, KLB Meitingen