"Lust auf Land"

Donnerstag, 15. Februar 2018

„Lust auf Land?“ – Wilhelm Preißinger (rechts), Leitender Baudirektor am Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben, referierte in Unterschneitbach im Rahmen der Seminarreihe der Katholischen Landvolkgemeinschaft Aichach. KLB-Vorsitzende Ulrike Meitinger dankte ihm für seine interessanten Ausführungen.  Foto: Xaver Ostermayr

 

Der ländliche Bereich in Bayern hat Zukunft. Dazu gehört auch die Dorfentwicklung. Voraussetzung für eine gelungene Umsetzung eines Dorfentwicklungsprogramms ist unter anderem auch ein aktives Vereinsleben. Viel Wissenswertes zum Thema „Lust auf Land –reicht das? Dorfentwicklung mit Herz, Verstand und guten Beispielen“ war bei der abschließenden  Veranstaltung der diesjährigen Seminarreihe der Landvolksgemeinschaft Aichach im Gasthaus Bichlmeier in Unterschneitbach zu hören. Vorsitzende Ulrike Meitinger aus Knottenried (Aichach) konnte als Referenten den Leitenden Baudirektor Wilhelm Preißinger vom Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben begrüßen.

Wilhelm Preisinger informierte die Anwesenden, dass der ländliche Bereich in Bayern 85 Prozent der Landesfläche umfasst, in dem auch 80 Prozent der Städte liegen. Er bietet einen Arbeitsraum für acht Millionen Menschen.  60 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land. Damit das Landleben weiterhin -  vor allem auch für junge Leute - attraktiv bleibt, besteht in vielen Gegenden Handlungsbedarf. Im aktuellen Zukunftsatlas nimmt der Landkreis Aichach-Friedberg eine gute Position im Ranking ein. Die Zukunftsaussichten werden mit „hohe Chancen“ definiert. Der stellvertretende Amtsleiter Wilhelm Preißinger zählte eine Reihe von Herausforderungen auf, die für den ländlichen Bereich anstehen. Einige Ursachen hierfür sind der Strukturwandel in der Landwirtschaft, das Entstehen von Wohnblocks anstatt Bauernhöfe, leerstehende Bausubstanzen, Landflucht oder Ausdünnung des Dienstleistungsangebotes. In diesem Zusammenhang ist zumindest erfreulich, dass in den letzten drei Jahren der Rückgang landwirtschaftlicher Betriebe nahezu stagnierte. Seit 2013 wurde ein jährlicher Betriebsrückgang von 1,1 Prozent ermittelt. In Bayern verschwinden pro Tag Felder und Wiesen mit einer Fläche von 18,1 Hektar, was 18 Fußballfelder entspricht. Vor allem die Siedlungs- und Verkehrsflächen nehmen stark zu.

Ein Thema ist auch die rückläufige Nahversorgung in den Dörfern. 116 Gemeinden in Bayern hatten Anfang 2016 keinen Lebensmittelladen. Zudem verschärft sich der Ärztemangel im ländlichen Raum.  Der öffentliche Personennahverkehr ist teilweise verbesserungswürdig. Die Breitbandversorgung ist noch nicht durchgängig vorhanden.  Ziel muss es auch sein, dass Studienabsolventen den Schritt zurück aufs Land machen. Dies bedeutet, dass auf dem Land vor allem die nötigen Arbeitsplätze für diese Fachkräfte zu schaffen sind. Junge Leute auf dem Land wünschen sich vor allem auch mehr Wohneinheiten mit zwei bis drei Zimmern. Fehlen diese, ziehen viele junge Menschen weg. Derzeit laufen laut dem Referenten auch in unserem Landkreis einige Projekte im Rahmen der ländlichen Entwicklung. Nach dem Motto "Gemeinsam sind wir stärker!" schließen sich auch immer mehr Gemeinden zu einer „integrierten ländlichen Entwicklung“ zusammen, um eine attraktive Region zu gestalten. Grundvoraussetzung ist immer ein fundiertes Gemeindeentwicklungskonzept. Die Unterstützung des Amtes für Ländliche Entwicklung ist vielfältig: Sie reicht von der Dorferneuerung zur Steigerung der Lebensqualität bis hin zur Flurneuordnung (früher: Flurbereinigung) inklusive Landschaftspflegemaßnahmen.  Als Aufgabenschwerpunkte nannte Wilhelm Preißinger die Stärkung der ländlichen Räume, die Erhaltung der vitalen Dörfer sowie die nachhaltige Sicherung der Landbewirtschaftung. Der Referent zeigte einige gelungene Dorferneuerungsmaßnahmen auf, die für Dörfer mit bis zu 2000 Einwohnern greifen. Dazu zählen beispielsweise Platzgestaltungen (Dorfbrunnen), Spielplätze oder Dorfgemeinschaftshäuser. Das Fazit lautete: „Das Landleben wird zunehmend attraktiver“.  Aber ein  Erfolgskonzept gibt es nach Ansicht des Referenten nicht. „Die ländlichen Gemeinden müssen auf der Hut sein. Und jede Gemeinde muss das für sich ausmachen.“

Xaver Ostermayr, Unterschneitbach