„Nur noch kurz die Welt retten“ – KLB beschäftigt sich mit Landwirtschaft und Klima

Dienstag, 2. Juli 2019

Höchste Zeit, das Klima zu retten, sieht die Katholische Landvolkbewegung als Ergebnis ihrer Diözesanversammlung in der katholischen Landvolkshochschule Wies-Steingaden am 29. Juni 2019. Klimareferent Rüdiger Schmidt stellte das Ausmaß des Klimawandels dar, wobei die Landwirtschaft mit hohen Stickstoff- und Phosphatverbräuchen immens zum Treibhauseffekt beiträgt. Zugleich kann allein die Landwirtschaft das Treibhausgas (THG) Kohlendioxid „CO2“ in Pflanzen binden und in den Boden als Humus fixieren. Bis 2030 müsse die globale Landwirtschaft ihren THG-Ausstoß um ein Drittel und bis 2050 um 60 Prozent senken. Die Gesamtheit von THG müsse 2050 bei 0 bis 5 Prozent sein, um das „1,5-Gradziel“ zu erreichen.

Wie wertvoll ein Humusaufbau ist, schilderte Schmidt an einem Beispiel aus Dürneck. Dort steigen die Erträge und die Speicherfähigkeit des Bodens. Humus lässt die Pflanzen bei Hitze stabil bleiben.

Die Landwirtschaft allein dürfe keinesfalls die Last tragen. Vielmehr, so die Versammlung, müsse der christliche Aspekt zur Schöpfung einen breiten Raum erhalten und neue „Demut und Bescheidenheit“ im Umgang mit den Ressourcen Vorrang bekommen. Im anschließenden Podiumsgespräch meinte der Landesvorsitzende Andreas Felsl, nicht die höchsten Milchleistungen dürfen Parameter sein. Als Landwirtschaftsmeister und Zertifizierer besucht er jährlich 400 Betriebe, die ganz unterschiedlich wirtschaften. Für eine Leistung von 9000 Kilo Stalldurchschnitt, so Felsl, seien 3500 Kilo Kraftfutter je Kuh aus Zukauf notwendig. Dies werde oft aus Osteuropa oder aus Amerika importiert. Durch die Nährstoffzufuhr seien hierzulande die Böden überfrachtet. Auch er riet, die Ressourcen zu schonen. Kreisbäuerin Monika Mayer nahm die Arbeit der Landwirte in Schutz. Die Biobäuerin fürchtet, dass kleinere Familienbetriebe weichen müssen. Die neuen Ställe bieten ein optimales Stallklima mit viel Außenluft. Dabei gehen alle Ausgasungen in die Umwelt. Doch bei Kleinbetrieben mit geringerem Luftaustausch sei dies nicht möglich. Gerade im Milchgürtel baue die Pflanzengesellschaft mehr Nährstoffe um, als mit der Gülle anfallen. Die von Felsl vorgeschlagene Umwandlung der Milch- in eine Gemüseanbauregion kann Mayer nicht nachvollziehen. Stattdessen verwies Mayer auf die Wissenschaft und Politik, sämtliche THG-Senkemöglichkeiten auszuloten. Eine klimaschonende Landwirtschaft trete in eine Konfliktsituation mit dem Ertrag. Klar sieht Mayer, dass jeder am Klimaschutz mitwirken müsse und forderte: „Weniger für alle“.

Klimareferent Rüdiger Schmidt sieht die Bevölkerung in der Pflicht, nahezu ganz auf Fleisch zu verzichten. Die Hälfte der Nahrung müsse aus Obst und Gemüse, dann aus Getreide bestehen. Die Aufwendungen der Landwirte müssen laut Schmidt in die Nahrung eingepreist werden. Einen klaren Auftrag habe die Bevölkerung mit dem Volksbegehren „Artenvielfalt“ der Politik gegeben. Dies wird laut Andreas Felsl „Gewinner und Verlierer“ nach sich ziehen.

So erkannte Hedwig Göser aus Bad Grönenbach, wie viele Landwirte aufgeben und Größere ihre Flächen mitbewirtschaften. Oft seien sie lange unterwegs. Diesen Trend sollte eine gestrichene Dieselbezuschussung stoppen.

In der folgenden KLB-Konferenz schilderte die stellvertretende Bundesvorsitzende Martha Hänsler die Zielrichtungen auf Bundesebene. Eindeutig positionierte sich die KLB mit dem Thema „Ich bin Europa – und Du auch!“ für den gemeinsamen Lebensraum in Frieden. Die gemeinsame Agrarpolitik müsse ökonomische und ökologische Ziele verbinden. Entschieden will sich die KLB für den Erhalt bäuerlicher Familienbetriebe einsetzen. Die Bauern sollten aktiv den Dialog erhalten und „sich als die nachhaltige Perspektive sehen“.

Josef Diebolder (auch Bilder)

Monika Mayer (BFB), Rüdiger Schmidt (Dialognetzwerk Klima und Landwirtschaft), Andres Felsl (Landesvorsitzender der KLB Bayern)