„Trauerkultur im Wandel der Zeit – die katholische Begräbnisliturgie und ihre Herausforderungen“

Mittwoch, 18. April 2018

Diakon Albert Vögele begrüßte die Besucher zur Veranstaltung der KLB Landsberg im Vortragssaal der Dominikanerinnen zum Thema Trauerkultur im Wandel der Zeit. Der gut besuchte Vortrag wurde von Pfarrer Ulrich Müller, dem Liturgiebeauftragten der Diözese Augsburg, gehalten.

Liturgiewissenschaftler der katholischen Kirche machen sich in Bezug auf den Wandel der Begräbniskultur Gedanken: Immerhin sind es jährlich 850.000 Bestattungen mit ca. 6000 Bestattungsinstituten. Aus der Geschichte der Begräbnisliturgie im 7. Jahrhundert wurde erstmals bekundet, wie Christen bestattet werden: Mit einer Wegzehrung ausgestattet, von Sterbegebeten begleitet. Anschließend Aussegnung, Waschen des Toten, Aufbahren, Prozession aus dem Haus mit Psalmen, Totengebet und Gebetsgottesdienst und die Beisetzung.

Dabei ist die Aussegnung des Verstorbenen die erste Station, die zweite Station findet in der Kirche statt, die dritte Station dann am Grab mit der Beisetzung. Bei einem katholischen Begräbnis ist die Bestattung des Leichnams wichtig, weil eben der Leib ein Zeichen des Menschseins ist. Jedoch nimmt die Feuerbestattung – auch aus wirtschaftlichen Gründen – immer mehr zu und wird selbstverständlich toleriert.

Im Leben erfahren wir Taufe, Firmung und Eucharistie. In der Begräbnisliturgie mündet der Weg hinein in das Österliche. Die Begräbnisfeier als kirchliche Liturgie ist öffentlich und bestenfalls nimmt die Gemeinde großen Anteil. Wichtig ist für die Mitfeiernden ein gleichbleibender Ritus, in den sich Angehörige fallen lassen können. Der erste Adressat bei der Feier ist immer der Verstorbene, dann die Angehörigen mit dem Trost, den uns der Glaube schenkt.

Inzwischen ist unter anderem durch neue Bestattungsformen und vermehrte Kirchenaustritte ein Wandel in der Bestattungskultur eingetreten. Der Tod ist immer präsent, täglich werden wir in den Medien damit konfrontiert. Bei der immer höher werdenden Lebenserwartung wird eine Bestattung jedoch oft als Dienstleistung betrachtet. Es entsteht eine Liberalisierung und Privatisierung des Bestattungsmarktes. Anonyme Bestattungen nehmen immer mehr zu oder individuelle Bestattungen werden selbst mit eigenen Ritualen gestaltet. Auch gibt es immer mehr Sozialbestattungen, weil es keine Angehörigen gibt.

Weitere neue Bestattungsformen nehmen Einzug in unsere Kultur. So zum Beispiel ein Kolumbarium in der Allerheiligenkirche zu Erfurt. Dort werden Urnen in Stelen verwahrt. Hier ist es möglich, in Trauer- und Gedenkfeiern den Angehörigen Trost zu spenden. Es gibt die Bestattung im sogenannten Friedwald und die Baumbestattung. Der Verstorbene wird entweder anonym begraben oder sein Name wird an den Baum angebracht. Eine Baumbestattung soll die Naturverbundenheit deutlich machen, ist aber mit oftmals mit langen Wegen zum Ruheort verbunden. Seebestattungen sind nur im Meer möglich, auch Luft- und Flugbestattungen gibt es. Einen Ort der Trauer gibt es dabei nicht.

Wenn ein Begräbnis aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich ist, bietet die Kirche viele Möglichkeiten, die Angehörigen zu begleiten. Denn Trauer brauche einen Ort und die Angehörigen Halt und Zuversicht.

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es mittlerweile viele Wege gibt; auf die bewährte und durchaus hilfreiche Trauer- und Begräbniskultur kann immer zurückgegriffen werden.

Helene Glatzel (auch Bild), KLB Landsberg