Was macht eigentlich die Bäuerliche Familienberatung?

Dienstag, 21. Mai 2019

Die bäuerliche Familienberatung des Katholischen Landvolks ist seit zwei Jahrzehnten ein vertrauensvoller Hoffnungsbringer für belastete Bauernfamilien, schilderte deren hauptamtliche Referentin Christine Beuer dem Katholischen Landvolk im Raum Ottobeuren-Babenhausen. Die gelernte Ehe- und Familientherapeutin sieht die Landwirtschaft als besondere Art von selbständiger Arbeit. Während Angestellte und Arbeitnehmer klar ihren Beruf und das Privatleben trennen können, „sitzt der Bauernhof wie ein Familienmitglied ständig am Tisch“ und sei teils Mittelpunkt des Lebens. Leben und Arbeiten in der Landwirtschaft sei intensiv miteinander verquickt. Als Familienberatung seien sie heute vor allem bei Generationenkonflikten ein hilfreicher Beistand. Krisen in der Landwirtschaft seien für die Betroffenen oft eine immense Herausforderung, „weil man aufeinander angewiesen ist und man miteinander zurecht kommen muss“. Der besondere Vorteil in der Familienberatung ist: "Wir können zu den Betrieben kommen und einen Eindruck erhalten“.

Die bäuerliche Familienberatung wurde in Augsburg 1996 als Verein gegründet. Seither sind die KLB und weitere 60 Mitglieder die Träger. Keiner habe sich damals dieser Verantwortung gestellt, außer dem Landvolk. Die Beratung sei Mitglied im Bundesverband und bilde sich dort ständig weiter. Finanziert werde die Beratung von der Diözese Augsburg, dem bayerischen Landwirtschaftsministerium und durch Spenden. Die ehrenamtlichen Berater erhalten eine Aufwandsentschädigung und die Fahrkosten. Ihre Ausbildung dauert in Wochenendblöcken eineinhalb Jahre. In Fortbildungen wird ihr Spektrum erweitert. Auf Bayernebene beginnt im November ein neuer Ausbildungskurs. „Wir möchten dringend jüngere Leute“, erklärte Beuer, weil die meisten Berater von Beginn an dabei seien. Junge Berater brächten eine neue Lebenseinstellung mit.

Was macht nun eigentlich die bäuerliche Familienberatung? Die Betroffenen können sich auch anonym am Telefon (0 82 22 / 41 11 66) aussprechen. Als nächsten Schritt bietet der Verein eine persönliche Beratung an. Schwerpunkt ist dabei der zwischenmenschliche Bereich. "wir hören zu und helfen weiter“. Bei Sachfragen könnten sie Spezialisten empfehlen.

Meist seien sei zu zweit bei Familiengesprächen, aber auch für Einzelpersonen da. Bevorzugt seien sie vor Ort, aber auch an neutralen Orten, wie die Landvolkgeschäftsstelle in Augsburg. Für Beuer und die Berater gilt es, nicht Lösungen zu bringen, sondern einen neuen Blickwinkel zu eröffnen, damit die Familien ihren neuen Weg leichter finden. Ihre Beratung lenke aus der Hilflosigkeit zum Miteinander. Die Berater unterliegen der Schweigepflicht  Oft würden sich die Menschen öffnen und seelische Schmerzen und Wunden zur Sprache kommen. Dies befreie für künftige Schritte.

Oftmals sind es Generationenkonflikte, Ehe- und Partnerschaftskonflikte, die die Menschen zur Beratung führt. Aber auch Fragen zur Betriebsentwicklung und Schuldenberatung seien wichtige Punkte. Vor allem bei der Hofübergabe würden die Aufgaben und Rollen neu verteilt werden. Selbst Landwirte zwischen 20 und 30 Jahren würden sich zusehends überlasten, dies bringe psychische Probleme mit sich. Ebenfalls spielen Schulden oder Krankheit eine Rolle. Geschwisterstreit, Suizidgefahr oder das Singledasein von über 50jährigen, wenn die Eltern pflegebedürftig werden, seien Gründe für eine Beratung. Auch Rechtsstreit, Gewalt und Todesfall seien weitere Fragen.

Für Beuer ist klar, wie wichtig diese Beratungsgespräche sind, damit Familien wieder neuen Schwung bekommen; damit sie erkennen: „Ich kann mich immer verändern“. In der Regel seien sechs Beratungstermine angefragt. Manchmal sei bereits ein Gespräch zielführend. Längstens hätten sie Betroffene zwei Jahre begleitet.

Unter der Telefonnummer 08222-411166 nimmt Christine Beuer das Erstgespräch entgegen.

Josef Diebolder, KLB Ottobeuren