45. Landvolktag im Unterallgäu

Donnerstag, 15. Februar 2018

Bild: v. l. n. r.: Hans Mayer, Sepp Rottenaicher, Josef Neher

Nicht alles haben wollen, das wünschte der bayerische Landvolkseelsorger Josef Mayer beim 45. Unterallgäuer Landvolktag als Festprediger in Oberrieden. „Landwirtschaft und ländlicher Raum - Humus der Gesellschaft“ betrachtete der ehemalige Landvolkreferent Sepp Rottenaicher aus Passau. Im Bauernstand erlebt Landvolkvorsitzender Josef Neher eine starke Verbindung von Glaube und Kirche. „Kann ohne Bauern unsere Gesellschaft gedeihen“? fragte Neher in den vollen Saal.

Bereits in der Pfarrkirche St. Martin betonte der Festprediger Josef Mayer, sich an das Materielle zu binden, entferne vom Schöpfungskontext. Er ist selbst auf einem Bauernhof bei Gennach aufgewachsen. Die Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus stoße einen Lernprozess an. Die Umwelt gehe alle etwas an. Kaum einer bemerke, „wieviele Menschen daran beteiligt sind, dass wir ein gutes Leben haben“. Die Landwirtschaft und deren Schöpfungsarbeit brauche Wertschätzung. Beim Gottesdienst warnte die Landvolkgemeinschaft Mindelheim, „der Abstand zur Landwirtschaft wird immer größer“.

Auch für Bürgermeister Robert Wilhelm fehlen die Bauern als Dorfmittelpunkt. Bei den Erlösen sind die Landwirte auf der Strecke geblieben. Seit 40 Jahren gebe es keine besseren Preise. So forderte Landvolkvorsitzender Josef Neher, als Christ „mutig Auftreten und nicht Austreten“.

Rottenaicher ist zeitlebens eng mit der Landwirtschaft verbunden. Seine Kinder jedoch gehen andere Wege.

Landwirtschaft ist für den Referenten ein immenser Ressourcenspeicher. Sie schaffe für die Gesellschaft Rohstoffe als Nahrungsmittel, Baumaterial oder Energie. Kaum wahrgenommen werde, dass aus der Landwirtschaft ständig Flächen abgezweigt werden. Zugleich erübrigt die schrumpfende Landwirtschaft Arbeitskräfte, „die leistungsstark und belastbar sind“. Damit sei die Landwirtschaft ein „Pionier der Gesellschaft“.

Die Bauern sollen statt immer mehr Intensität, auf Nachhaltigkeit setzen. Vielfältige Fruchtfolgen und ganzjährigen Pflanzenbewuchs verhindere Erosion. Trotz ständiger Modernisierung gebe es „ein massives Bauernsterben“. Wenn Landwirte Zusatzaufgaben, wie Lohnarbeiten und Urlaub auf dem Bauernhof anbieten, sind das klare „Warnzeichen für ihr Artensterben“.

Offen ließ Rottenaicher die Frage, ob künftig die bäuerlich geprägten Familienbetriebe mit Kreislaufwirtschaft dominieren. Industrielle Orientierung suche nicht nach Humuserhalt, sondern nach Verzinsung des eingesetzten Kapitals.

Den Landvolktagsbesuchern sagte er, eine bäuerlich geprägte Landwirtschaft sei überlebensnotwendig für eine Industriegesellschaft. Ohne Familienbetriebe steige die Kriminalität stark an.

Josef Diebolder, KLB Ottobeuren