Erntedankwallfahrt nach Merazhofen

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Nur eine Stunde Fahrzeit von Ottobeuren wirkte der „Segenspfarrer des Allgäus“, Augustinus Hieber. Das Katholische Landvolk und die Pfarrei Ottobeuren besuchten in ihrer Erntedankpilgerfahrt seine Wirkungsstätten und das Grab. Mit einem Gottesdienst in der Kirche von Meratzhofen feierten die Pilger mit dem emeritierten Abt Paulus Weigele einen Dankgottesdienst. Allen gab der Abt mit auf den Weg, nicht alles selber machen zu wollen, sondern der Schöpfung zu vertrauen. Wenn Menschen allein das Klima retten wollen, werde das nicht zielführend sein. Pfarrer Hieber habe den sorgenvollen Menschen beigestanden und Frieden gestiftet. Er habe Vertrauen „in die Vorsehung Gottes“ gelebt. Selbst in schweren Stunden solle jeder danken, denn „immer ist die Zeit des Heils“, so Abt Paulus. Im Nachdenken werde Gottes Eingreifen erkennbar.

Nur vier Jahre nach dem Tod von Pfarrer Hieber sei am 18. Juli 1972 in Sichtweite zur Pfarrkirche das „Rasenkreuz“ auf einer Wiese entstanden. Dorthin pilgerten die Wallfahrer anschließend. Im Gebetsraum erinnerte Mesner Konrad Schöllhorn an die Begebenheit, wie es ein Bauernbub entdeckte und seither zum Gebetsort wurde. Nach der weiteren Station in Wigratsbad besuchten sie die Marienkapelle in Oberried zur Dankandacht.

Als der künftige Pfarrer Augustinus Hieber mit 10 Jahren (1896) in der sonntäglichen Vesper das Psalmwort „Groß sind die Wege des Herrn“ erfuhr, spürte er die innere Berufung zum Priester. So beschrieb Mesner Konrad Schöllhorn den Landvolkpilgern das Leben vom späteren „Segenspfarrer des Allgäus“. Eigentlich sollte der Bauernsohn den elterlichen Hof übernehmen. Am 13. Juli 1910 erhielt er die Priesterweihe im Rottenburger Dom und feierte in Straßdorf seine erste Heilige Messe am 18. Juli. Für Schöllhorn wurde der Bauernsohn als Priester zum „Sämann auf dem Acker Gottes“.

Eine Krankheit ließ den Pfarrer Zuflucht „beim heiligsten Herzen Jesu“ finden. Seither betete er täglich die „Herz-Jesu-Litanei“. Zu schwach für den Dienst als Stadtpfarrer, übernahm er am 8. Juni die Pfarrei von Merazhofen. Zunächst wollte Hieber nur zwei Jahre bleiben, doch der Bauernsohn gewann die Herzen der Bevölkerung, so Schöllhorn und erinnerte an das goldene Priesterjubiläum als Hieber sagte: „Merazhofen, das Allgäu, ich hab´ sie so liebgewonnen“.

Für Schöllhorn hatte Hieber eine „sehr große Liebe zum Heiligsten Herzen Jesu und zur Gottesmutter Maria als Königin des Rosenkranzes“ gelebt. Den vielen Menschen begegnete Hieber mit „väterlicher Güte, aber auch Strenge“. Hieber habe den Menschen in die Seele blicken können und spendete Trost, Hoffnung und Zuversicht. Bis heute findet er immer wieder neue Dankes- und Votivtafeln an seinem Grab.

Als Bischöflicher Kommissär, Leiter der Priesterkongregation und Bezirksleiter des Dritten Ordens wurde Hieber weithin bekannt. Großen Wert legte Hieber auf den Rosenkranz und erklärte oft von der Kanzel aus die „Geheimnisse des Rosenkranzes“. In Wallfahrten nach Lourdes, La Salette, Einsiedeln und zum Bruder Klaus erfüllte sich auch eine Privataudienz bei Papst Pius XII. Nach einer schweren Nacht in Gargano einem Heiligtum des Erzengels Michael führte der Besuch bei Pater Pio zu einem unvergesslichen Höhepunkt. In der Warteschlange wurde er von Pater Pio herausgerufen und um seinen Segen gebeten.

In seinen Gebeten am Tabernakel nahm Pfarrer Hieber die Anliegen der Menschen mit. Noch kurz vor seinem Sterben, am 4. Januar 1968, wünschte Hieber „kommt auch nach meinem Tod zu mir ans Grab. Von der Ewigkeit aus kann ich Euch noch mehr helfen“. Hieber habe es sich zur Aufgabe gemacht, alle auf den Weg eines gottgefälligen Lebens zu führen.

Josef Diebolder, KLB Ottobeuren