"Gegen Angsthasen, für Mutmacher"

Donnerstag, 15. Februar 2018

Gegen Angsthasen, für Mutmacher mit Zivilcourage trat der emeritierte Abtprimas Dr. Notker Wolf beim katholischen Landvolk (KLB) und den Unterallgäuer Landfrauen auf.

Vielfach, nicht nur bei Christen, entdeckt der Benediktiner Mönch, „sie haben keinen Schneid“. Anstelle von Bequemlichkeit forderte Wolf Unternehmergeist. Sein Kloster mit einer großen Landwirtschaft in St. Ottilien müsse ständig unternehmerisch denken und handeln. Sonst wären wir bald nicht mehr da, folgerte der Erzabt. Es brauche nicht nur Mut zum Risiko, sondern auch die Kraft, mal Niederlagen durchzustehen. Wer sich heute was traut, dem Folge oft ein „Shitstorm im Internet“. Kaum mehr eine ausgefallene Meinung werde toleriert. Ihm mache es nichts aus, es sei die beste Werbung für seine Sache. Neider zu haben, unterstreiche die eigene Leistungskraft.

Allen Besuchern empfahl er, im Leben Prüfungen zu bestehen und Projekte anzupacken. Die Herausforderungen gehörten zum Leben und bringen die rechte Würze. Ein Unternehmen leiten, die Ehe eingehen oder die Klostergelübde ablegen, brauchen Mut.

Ein Familienleben, basierend auf Heirat, stabilisiere die Gesellschaft. Selbst im Kloster bestehe eine starke Gemeinschaft. Wertvoll sieht der Ordensmann, die Mitbrüder um Rat zu fragen. Das habe auch Jesus getan.

Wer im Leben Pech hat, solle die Barmherzigkeit Gottes erkennen. Wie beim „Verlorenen Sohn“ stehe er zu einem. Als Petrus übers Wasser ging, habe ihn der Mut verlassen. Jesus habe ihn ergriffen und gesagt, „du Kleingläubiger, habe Mut“. Jesus „langt mir unter die Arme“, beschrieb der Klostermann.

Schon mit 14 Jahren sei in ihm der Wunsch entstanden, Missionar zu werden. In St. Ottilien hätten sie ihn überallhin zum Studieren geschickt, bloß nicht zur Mission. Als 37jähriger wurde ihm die Leitung der Benediktinerklöster weltweit übertragen. In vier Jahrzehnten habe er zahlreiche Missionsstandorte erlebt, ganz anders als er es gewünscht hatte. Da blieb ihm der Kommentar: „Der Mensch dachte und Gott lachte“.

Als Christ erlebe er hier viele leere Kirchen, wo der Glaube leicht zu leben sei. Ganz im Gegensatz dazu hätten die Menschen in China oder Nordkorea mit Verfolgung zu kämpfen. Hier erlebe die Kirche ein immenses Wachstum.

Wer die Herausforderung annehme und die Wurzeln des Glaubens entdecke, finde die Wurzeln des Lebens, beteuerte Wolf. Würden sich die Menschen, wie Jesus zur Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit entscheiden, bräuchte es keine neuen Gesetze.

In jedem Menschen sei die Anlage für Mut vorhanden. Kinder würden mit Anerkennung angespornt. Gemeisterte Aufgaben würden ein Erfolgserlebnis bringen. Vielfach sieht er die Menschen „auf dem Wehleidigkeitsweg“. Selbstmitleid sei fehl am Platz. Zum Mut gehöre das Risiko, für Fehler gerade stehen zu müssen. In der Politik zu arbeiten bringe heute vielfach Ärger. „Den muss man durchstehen können“. Christen sollten es aushalten, wenn sie „einen auf den Deckel“ bekommen.

Als Musiker mit Querflöte, E-Gitarre oder auf dem Motorrad will er sich das Abenteuergefühl und Durchhaltevermögen bewahren.

Im vorherigen Seminar spendete die Katholische Landvolkbewegung 400 Euro an die Erdbebenopfer nach Norcia und 300 Euro an die Landvolkpartner im Senegal. In diesem Jahr wollen sie unverschuldet in Not geratenen Familien helfen und der bäuerlichen Familienberatung Spendengelder überreichen.

Bis auf den letzten Platz war das Pfarrheim St. Michael in Ottobeuren gefüllt. Darüber freuten sich die Landvolkvorsitzenden, die Landfrauen des Bauernverbandes und der katholische Frauenbund Ottobeuren als Veranstalter. Laut der Vorsitzenden der KLB Ottobeuren, Lucia Musch, habe Dr. Notker Wolf über 30 Bücher verfasst. Andreas Ruf, Vorsitzender der KLB Ottobeuren, bezeichnete den Ordensmann als Menschen, der zu an seiner schwäbischen Identität stehe und der sich durch seine humorige Art auszeichne.

Josef Diebolder, Ottobeuren