Online-Podium „Ein Jahr lang Klimaerfolge - Wie leben wir die nächsten 12 Monate?“

Freitag, 30. April 2021

Interessierte finden die Podiumsdiskussion auf unserem Youtube-Kanal.

In einem Online-Podium zu Fragen des Klimaschutzes kamen Vertreter unterschiedlicher Einrichtungen und Parteien auf Einladung der KLB Friedberg miteinander ins Gespräch. Ausgehend davon, dass in den vergangenen zwölf Monaten positive Auswirkungen auf den Klimaschutz das Ergebnis der coronabedingten Einschränkungen waren, diskutierten die Teilnehmer über Konsequenzen für das zukünftige Handeln.

Gastgeber Walter Mück, Vorsitzender der KLB Friedberg, begrüßte Max Markmiller, Klimaschutzmanager Diözese Augsburg, der nach einem kurzen Impuls die Moderation des Abends übernahm, Peter Tomaschko, MdL, CSU Aichach-Friedberg, Sandra Lederer, SPD Aichach-Friedberg, Thomas Lidl, ÖDP Aichach-Friedberg, Jörg Lange, Fahrgastverband PRO BAHN und Tamara Horak von der Katholischen Landjugendbewegung.

Markmiller zeigte zu Beginn auf, dass für ein Erreichen von Klimaschutzzielen situationsbedingte Sondereffekte aber auch strukturelle Änderungen im Blick sein müssten.

Eine ersten Fragerunde, sollten sich die Podiumsteilnehmer zu persönlichen Erfahrungen in den vergangenen 12 Monaten äußern. Peter Tomaschko verwies auf das hohe Engagement und die hohe Bereitschaft einzelner Menschen. Jeder einzelne könne ganz viel zum klimaschutz beitragen. Sandra Lederer verwies darauf dass die Einsparung von 8% Energieverbrauch der vergangenen Monate zwei Seiten habe. Das Konsumverhalten der Menschen habe sich verändert und auch das Bruttoinlandsprodukt sei gesunken. Die Menschen könnten sich nicht mehr so viel leisten weshalb Klimaschutz zulasten des Lebenswohlstandes verbessert worden sei.
ÖDP Vorsitzender Thomas Lidl verwies darauf, dass zwar eine Reduzierung von CO2 gelungen sei, dass er dies aber weit entfernt von einem Klimaerfolg bewerte. Als Riesenerfolg sieht er, dass Bürger plötzlich bereit waren Entscheidungen der Politik mitzutragen, sich an Vorschriften zu halten, wenn sie den Sinn dieser Vorschriften erkennen würden. Er vertrat die Ansicht, dass Klimaschutz durch einzelne nicht gelöst werden, sondern dass es Entscheidungen und Konsequenzen der Politik brauche.

Jörg Lange, der Vertreter des Fahrgastverbandes ProBahn, zeigte die Spannung auf, dass weniger Mobilität auch weniger Einnahmen bei Verkehrsunternehmen und damit ein eingeschränktes Angebotsspektrum bedeuten könne. So sei die gesunkene Mobilität zugleich eine Gefahr für die Verkehrswende. Wichtig erscheint ihm, dass es der Politik besser gelinge, die Bürger mitzunehmen.

Tamara Horak, KLJB, wäre erfreut, wenn das Thema Klimaschutz mit einer ähnlichen Dynamik und Interesse angepackt werden würde, wie die Fragen der Corona-Krise, sieht hier aber den Ansatz bestätigt, dass die Auswirkungen beider großer Krisen den Menschen unterschiedlich nahe sind. Sie fordert hier politische Entscheidungsträger, denn der Umgang mit Corona habe gezeigt: Es geht ja doch.

Das Thema Mobilität wurde als ein wesentliches Feld für nachhaltiges Handeln beschrieben. Lange forderte hier aber eine bessere Absicherung der Unternehmen des ÖPNV. Tomaschko verwies auf Anstrengungen im öffentlichen Bereich, sieht aber Verbesserungsbedarf, vor allem auch, was die einfache Nutzung des ÖPNV angeht. Tamara Horak regte an, nicht nur auf freiwillige persönliche Entscheidungen zu bauen, sondern auch gezielt durch Maßnahmen Anreize zu schaffen. Wer Autobahnen baut, schafft Anreize, mit dem PKW zu fahren.

Sandra Lederer betonte, dass aus Ihrer Sicht die nächsten zwölf Monate entscheidend seien. Wollen wir zurück zur Normalität, oder sind wir zu einer neuen Normalität bereit?, fragt sie. Als positives Beispiel hob sie den Flexibus hervor, der im Landkreis Günzburg als eine Art „Ruftaxi“ den Anschluss im ländlichen Raum verbessere.

Thomas Lidl schlug vor, über die Preisgestaltung klimafreundliches Handeln attraktiver zu machen. Dies gelte sowohl für den Nahverkehr, als auch für den Einkauf von regionalen und saisonalen Produkten. Hier solle politisches Handeln nicht durch Verbote geprägt sein, sondern positiv eine Steuerungsaufgabe wahrnehmen.

Tamara Horak zeigte auf, dass die KLJB mit einem Projekt Trick17 ein Bewusstsein für klimagerechteres Handeln verbessert habe. In Gruppenstunden und Bildungsangeboten wurden Jugendliche zum richtigen Verhalten angeregt und angeleitet. Bildung ist aus ihrer Sicht die wichtigste Grundlage für zukünftiges Handeln, um Handlungsperspektive aufzuzeigen. Tomaschko unterstützt diese Sicht und benennt als positive Beispiele die fächerübergreifende schulische Bildung und die unterschiedlichen Bereiche der Jugend- und Erwachsenenbildung. Um Handlungsoptionen anzubieten fordert Lange bayerische Pilotprojekte, z.B. für Tourismus, gerade auch in den Corona-Zeiten. Wenn es uns nicht gelingt, in diesen Zeiten Handlungsoptionen aufzuzeigen und anzubieten, wird es zu einem Nachholeffekt kommen. Auch Lidl sieht eine wichtige Aufgabe im Bildungsbereich und bringt hierbei auch die Vorbildwirkung ins Spiel. Zugleich müsse aber einfacher sein und leichter gemacht werden, klimafreundliche zu handeln.

Sandra Lederer ergänzt, dass über die Bildung hinaus die soziale Komponente eine Rolle spiele. Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass Menschen sich Klimaschutz auch leisten können. Hier auch die öffentliche Beschaffung in den Blick zu nehmen, fordert Horak. Wo Märkte entstehen, sinkt der Preis und es wird selbstverständlicher, dass umweltfreundliche Produkte angeboten und bezahlbar sind.

Walter Mück fragt kritisch an, wo in all den Ansätzen konkrete Impulse und Schritte zu sehen seien.

Welche Hoffnung sie erfülle, wurden die Teilnehmer im Hinblick auf den Klimaschutz gefragt.

Tomaschko hofft, dass nach Corona die Umwelt und Natur wieder eine größere Rolle spielen. Er hofft auf ein schnelleres Vorankommen, ohne Parteiauseinandersetzungen. Auch Lederer sieht in alle Parteien, dass das Anliegen des Klimaschutzes besteht. Sie hat die Hoffnung auf eine neue Normalität in höherer Verantwortung. Lidl will weniger Hoffnung, sondern mehr Änderung. Als Christen in einem reichen Land sieht er eine hohe Verantwortung bei uns und möchte, dass aus den Erfahrungen der Corona-Krise, dass etwas bewegt werden kann, konkrete Handeln in der Zukunft erfolgt. Lange wünscht sich, dass nach der Corona-Krise der Nahverkehr wieder an Zuspruch gewinnt. Hoffnungsvoll stimmt ihn, dass aktuell an der Frage des Nahverkehrs im ländlichen Raum diskutiert und gearbeitet wird. Tamara Horak wiederholt zum Abschluss die Aussage „Scheinbar geht es doch!“. Sie hat die Hoffnung, dass die aktuellen Zeit des Wandels zu positiver Entwicklung führt und sieht Übereinstimmung im Anliegen der politischen Parteien.

Max Markmiller dankt zum Abschluss und schließt: Es geht ja doch. Suchen wir die Möglichkeiten im politischen und im eigenen Lebenswandel.

Walter Mück beendet die Diskussion mit dem Blick auf das positiv formulierte Thema des Abends. Er hofft, dass möglichst viele Menschen innehalten und mutig sind, wenn es darum geht, in eine neue Normalität zu gehen. Er dankt den am Podium beteiligten Personen, vor allem auch Moderator und Impulsgeber Max Markmiller.