"Das kommt mir nicht in die Tüte"

Donnerstag, 15. Februar 2018

Eine Frau, die regelmäßig Lippenstift aufträgt, verschluckt im Laufe ihres Lebens bis zu sieben Kilogramm davon. Erschreckende Zahlen zum Thema „Das kommt mir nicht in die Tüte“ waren bei der zweiten Veranstaltung der diesjährigen Seminarreihe der Landvolksgemeinschaft Aichach im Gasthaus Bichlmeier in Unterschneitbach zu hören. Vorsitzende Ulrike Meitinger aus Aichach-Knottenried konnte als Referentin Sabine Slawik begrüßen.

Sabine Slawik ist Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) und zugleich Stellvertretende Landesvorsitzende des KDFB in Bayern. Der Wahnsinn um den Plastikmüll stand im Mittelpunkt ihrer interessanten Ausführungen. „Ich kann mir oft gar nicht mehr vorstellen, dass unsere Welt noch so funktioniert“, sagte Sabine Slawik angesichts dieser Umweltsünden. Aber nicht nur das Plastik macht dieser Welt zu schaffen: So wird weltweit alle zwei Sekunden eine Waldfläche in der Größe eines Fußballfeldes gerodet. Und in Deutschland werden jährlich 13 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Weltweit wird Kleidung mit einem Gewicht von 70 Millionen Tonnen hergestellt, was zehn Kilogramm pro Kopf entspricht. Vor allem sollte man synthetische Kleidung vermeiden und Naturfasern den Vorzug geben. Sabine Slawik ist auch im Textilbündnis tätig, das im Jahr 2014 von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller initiiert wurde. Das Bündnis für nachhaltige Textilien ist ein freiwilliger Zusammenschluss von rund 150 Mitgliedern aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft.

Um die Grundbedürfnisse zu stillen, werden laut der Vereinten Nationen pro Person täglich 50 Liter sauberes Wasser benötigt.  Die Deutschen verbrauchen in ihrem Haushalt 120 bis 130 Liter je Tag. In den USA fließt das Doppelte aus den Leitungen, während vielen Afrikanern nur 20 Liter zur Verfügung stehen und in den Entwicklungsländern muss jeder Mensch mit sogar nur zwei Litern auskommen. Weltweit benötigt die Landwirtschaft 70 Prozent des vorhandenen Frischwassers.

Als Umweltsünder gelten auch die Coffee-to-go-Einwegbecher (Kaffee zum Mitnehmen).  So werden in unserem Land jeden Tag 7.5 Millionen Becher weggeworfen.  Für die Becher werden hierzulande jährlich 43.000 Bäume gefällt.

Zurück zum Plastik: Plastik ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Und wir verbrauchen immer mehr von diesem „Alleskönner“ . Allein in Deutschland werden jährlich rund 20 Millionen Tonnen an Plastik verbraucht. Im Jahr 1930 waren es „nur“ 10.000 Tonnen. Bis zu 450 Jahre kann es dauern, bis Plastik vollständig abgebaut ist. Wichtig sind somit unsere Wertstoffhöfe, und die Mülltrennung ist zwingend.  Und zu allem Überfluss ist nach wie vor die sizilianische Müllmafia aktiv. Zehn Prozent des Mülls landet im Meer. Dieser wird von den Fischen aufgenommen und landet wieder auf den Tellern. „Eine Meeresfrüchtepizza brauche ich nicht mehr“, sagte die Referentin. Riesige Müllstrudel drehen inzwischen in den Weltmeeren ihre Runden.  70 Prozent des Plastikmülls versinkt auf den Meeresboden. Letztendlich hat aber auch der Verbraucher eine gewisse Macht. „Machen Sie sich beim Einkaufen ihre Gedanken. Kaufen Sie beispielsweise eine Seife anstatt ein Duschgel und eine Mehrwegflasche anstatt eine Einwegflasche. Und fragen Sie auch mal nach ordentlichen Produkten“, appellierte Sabine Slawik an die Zuhörer. Und man sollte sich Ziele setzen: „Versuchen Sie zum Beispiel in der Fastenzeit plastikfrei einzukaufen.“  Auch muss man nicht immer das neueste Gerät zu Hause stehen haben. Hochwertigen Produkten ist aufgrund der längeren Lebensdauer der Vorzug zu geben. Nicht immer muss alles verpackt sein. „Im Hofladen oder im Reformhaus ist die Ware etwas teurer, aber das ist es wert. Wir können uns das auch leisten“, meinte die Vizepräsidentin des Deutschen Frauenbundes. Jeder müsse seinen Beitrag für eine bessere Umwelt leisten.

Die abschließende Veranstaltung im Rahmen des Ländlichen Seminars findet am Mittwoch, 24. Januar, um 19.45 Uhr in Unterschneitbach statt.  Es spricht Wilhelm Preißinger vom Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben zum Thema "Lust auf Land – reicht das? Dorfentwicklung mit Herz, Verstand und guten Beispielen".

Xaver Ostermayr, Unterschneitbach