„Alles ist wie immer und nichts ist, wie es war“ - Vortrag in Ustersbach

Mittwoch, 13. April 2022

Gut gefüllt war das Pfarrheim Ustersbach, als Diakon Stefan Siegel zum Thema „Alles ist wie immer und nichts ist, wie es war“ sprach. Die Landvolkgemeinschaft Dinkelscherben hat zu diesem Abend eingeladen. An einem Grabstein habe Siegel diesen Ausspruch gelesen und lange ging er ihm nach. So hat er es selbst schon mehrmals bei verstorbenen Angehörigen erlebt und so nimmt er es auch bei seinen Einsätzen bei der Notfallseelsorge wahr. Die Erde dreht sich weiter, die Müllabfuhr kommt, das Leben geht weiter, doch für die Angehörigen hat sich durch die Lücke, die ein Verstorbener hinterlässt, alles geändert. In seinen Ausführungen ging er anfangs auf die gesetzlichen Vorgaben ein. So ist es in Bayern möglich, den oder die Verstorbene bis 36 Stunden zu Hause zu behalten. Da könnten dann auch im ganz persönlichen Umfeld unterschiedlichste Abschiedsformen gewählt werden. So darf eine Totenwaschung und Einkleidung selbstverständlich von Angehörigen geleistet werden und wenn sie bei der Einsargung mithelfen wollen, wäre das natürlich erlaubt. Stefan Siegel erzählte von Einsätzen, wo der Verstorbenen alles bereits geregelt hätte und so für die Hinterbliebenen keinen Platz mehr in der Gestaltung lag oder mit manchem Letzten Willen sie nichts anzufangen wüssten. Da braucht es einen Zuspruch für die Lebenden, denn für die Zurückbleibenden müsse es stimmig sein. In einem anderen Beispiel erzählte er, dass eine Mutter zum Kind sagte, dass die Oma schliefe. Auch da sei es ganz wichtig, die richtige Aussage zu treffen, sonst müsse man sich nicht wundern, wenn sich das Kind abends vor dem Schlafen fürchte. Nach seinem Vortrag wollte Siegel mit den Gästen ins Gespräch kommen. „Welche Erfahrungen haben sie gemacht, welche Rituale und Angebote der Kirche kennen sie und was würden sie sich wünschen?“, waren einige der Fragen. Wie gehen wir mit Trauernde um oder wechseln wir, wie Siegel von einer Mutter, deren Kind starb, erfuhr, von ihren Mitmenschen gemieden wurde. Da gab er einen guten Hinweis. Man möge doch einen geschützten Rahmen suchen und nicht an der Supermarktkasse eine offene Frage stellen, wie zum Beispiel: Darf ich Dich fragen, wie es Dir geht? Auch die unterschiedlichsten Grabstellen wie Familiengrab, Urnengräber, Urnenwände oder Seebestattung und Friedwald wurden diskutiert. Und am Ende war die einhellige Meinung, dass es gut sei, sich mit dem Tod zu beschäftigen, denn der Tod gehöre zum Leben. Für Stefan Siegel bedeutet die Auseinandersetzung mit dem Tod ein bewusstes Wahrnehmen des Lebens. Wir Christen haben die Zuversicht auf die Heimat bei Gott, so Siegel, das an dem Abend durch die brennende Osterkerze zum Ausdruck kam. Das kann Trost sein. Ein gelungener Abend. Ein herzliches Vergelt’s Gott an Stefan Siegel, Diakon und Geistlicher Begleiter der Landvolkgemeinschaft Dinkelscherben.

Ulrike Eger