"Bilderbuch der Bibel"

Dienstag, 2. Oktober 2018

Starke Fundamente tragen die Basilika Ottobeuren. Seit 30 Jahren gibt es die Bruder-Klaus Friedenskrypta unter dem Querschiff. Sie ist zugleich Begegnungsraum für das Katholische Landvolk.

Als Bilderbuch der Bibel erlebte das katholische Landvolk im Dekanat Memmingen die Basilika Ottobeuren. Landvolkseelsorger, Pater Magnus Klasen eröffnete den 40 Besuchern eine Welt des Glaubens im 89 Meter langen Mittelschiff mit seinen beidseits, 27 Meter in die Quere ragenden Seitenschiffe. Aus der Luft betrachtet bilden sie ein großes Kreuzzeichen.

Im 36 Meter hohen Kirchenraum mit drei Innenkuppeln spitzen 1200 Engelputten aus allen Ecken heraus. Sie umsäumen selbst die Kanzel und markieren die damals vier bekannten Erdteile, denn Australien wartete noch auf seine Entdeckung. 1000 Jahre nach der Klostergründung 764 sollte unter Abt Rupert Neß nicht nur ein neues Kloster, sondern auch die Klosterkirche neu entstehen. Doch den Mitbrüdern war das Leben in der Baustelle einfach zuviel. So musste laut Pater Magnus der Bauherr zwölf lange Jahre auf den Baubeginn warten. Nicht säumig, sondern vorausschauend habe der Abt Rupert in den umliegenden Ziegeleien große Steine brennen lassen. Ein Drittel der Steine sei allein für das Fundament gebraucht worden. Für die Kuppeln sei der Ton eigens mit Stroh vermischt worden, um deren Gewicht zu senken. Viel Fingerspitzengefühl und Bedachtsamkeit sei vorhanden gewesen, wie es schon allein am Stuckmarmor abzulesen ist. Zwar habe der Stuck auf Mauerwerk doppelt soviel wie echter Marmor gekostet, dafür sei der Transport von Säulenteilen weggefallen. Weiter ließ sich damit eine farbliche Verbindung vom Eingangsportal bis zum vorderen Ende der Kirche mit kräftigeren Farben herstellen. So soll der Blick des Auges zum Hauptaltar lenken. Ein großes Glockenläuten ließ Pater Magnus direkten Bezug auf die 82 Meter hohen Zwiebeltürme nehmen. Die fünf Glocken im Ost- und die beiden Großen im Westturm seien teils im Krieg eingeschmolzen worden. Doch 1947/48 seien Neue gegossen worden, darunter die „Hosanna“ als Größte mit fast 5 Tonnen Gewicht. Sie habe auch 1996 zu seiner „ewigen Profess“ geläutet. Allein ihr Schwingel wiege 106 Kilo.

Mit der Säkularisation wurde die Klosterkirche zur Kirche aller Ottobeurer. Der Friedhof am heutigen Marktplatz wurde aufgelöst und die Kirche St. Peter zur Schule umgebaut.

Als der junge Sebastian Kneipp in Ottobeuren getauft wurde, durfte er - wie das Landvolk - über sich die Bilder von der Taufe Jesu am Jordan erleben. Denn das marmorne Taufbecken lässt den Blick nach oben frei.

Die vielen Fresken und Figuren halfen einst den Analphabeten den Glauben besser zu verstehen. Heute können die Bilder die große Glaubensfreude auf die Touristen überströmen lassen.

Josef Diebolder, KLB Ottobeuren