„Unsere Fahrräder sind unsere Boote“ – KLB Kaufbeuren radelt nach Flüeli

Dienstag, 25. September 2018

Nach der langen Hitze im August war der erste Montagmorgen im September angenehm frisch, als 18 Männer und Frauen mit ihren Fahrrädern nach Flüeli in der Schweiz aufbrachen. Der Morgenimpuls an der Kirche in Buchenberg stellte den Tag unter das Thema „Aufbruch“. Die gewählte Textstelle aus dem Markusevangelium beschreibt die Bootsfahrt von Jesus und seinen Jüngern an einen einsamen Ort, um der Menschenmenge zu entkommen und Ruhe zu finden. Und tatsächlich entfernten sich die Rad-Wallfahrer mit jedem Tritt in die Pedale nicht nur ein Stück von ihrer Heimat, sondern auch vom Alltag. Ziel war ein ruhiger, vielleicht sogar mystischer Ort, die Ranft des Bruder Klaus. Körperliches „Relaxen“ war in dieser Woche nicht zu erwarten, aber der Eine oder Andere hat dort innere Ruhe gespürt.                                                                                                                       Die 280 Kilometer lange Tour wurde organisiert von der Landvolkgemeinschaft Kaufbeuren, begleitet und geführt von Karl Müller-Hindelang, Steingaden, früherer Geschäftsführer der KLB Augsburg und erfahrener Bruder-Klaus-Wallfahrer.

Der erste Wegabschnitt führte angenehm bergab bis Isny. Weiter ging es mit Genussradeln durchs ursprüngliche Allgäu über Wangen und Tettnang, mitten durch die Erntearbeiten von Äpfeln und Hopfen. Mit dem Erreichen der Fähre in Friedrichshafen war die erste Tagesetappe geschafft.

„Leben gestalten“: so lautete das Motto des zweiten Tages. Von Romanshorn folgte die Gruppe dem Mittelland-Radweg über Wil bis nach Zürich. Nach malerischen Wegstrecken an Flussläufen entlang und einer erbaulichen Mittagsrast in dem beschaulichen Ort Will, machte sich, spätestens als die Vorstädte von Zürich durchquert werden mussten, bei einigen Erschöpfung und Müdigkeit bemerkbar. Trotzdem haben alle diese längste Etappe geschafft und kein Laut der Klage war zu hören, als die kleinen Mehrbettzimmer der Jugendherberge bezogen wurden.

Geheimtipps über Satteleinstellungen wurden ausgetauscht, gegenseitig wurden Kniegelenke und allerwerteste Körperteile mit Salben versorgt und doping-verdächtige Müsliriegel großzügig geteilt. Derartig gestärkt wurde am dritten Tag Luzern angesteuert. Wunderschönes Wetter und die wertvolle Besinnung zum Thema „Dorothee – Frau im Schatten?“ beflügelten die unmotorisierten Zweiräder derartig, dass noch Zeit blieb für eine ausgiebige Abkühlung am Rootsee, im „Badi“, wie die Schweizer liebevoll ihre Badeanstalten nennen.

Mit „Ankommen wollen“ waren die Texte der letzten Tourroute überschrieben. Dafür galt es, abgesprungene Ketten zu reparieren, kleinere technische Probleme zu lösen und im belebten Straßenverkehr aufmerksam zu sein, um brenzligen Situationen zu entgehen. Die Strecke führte zunächst, wunderbar entspannend für Augen und Wadenmuskulatur, entlang des Vierwaldstättersees über Stans und Kerns. Doch vor dem Ziel mussten nochmal ordentliche Höhenmeter überwunden werden, bevor die Strampler müde und erschöpft, aber glücklich und stolz am frühen Nachmittag des vierten Tages in Flüeli eintrafen.

Die restlichen zwei Tage lernten die Teilnehmer Wohn- und Wirkstätte des Heiligen Bruder Klaus kennen, die Ranft, das Wohn- und Geburtshaus, St. Niklausen, den Visionenweg und und und. Die Lebensgeschichte des Bruder Klaus ist nicht gerade einfach zu verstehen, aber seine Spiritualität fasziniert bis auf den heutigen Tag, das war auch in der Gruppe spürbar.

Als der Muskelkater langsam am Abklingen war, hieß es Abschied nehmen vom Flüeli und dem schönen Saarner See. Mit dem Zug ging es zurück nach Kaufbeuren. Das Begleitfahrzeug fürs Gepäck hatte inzwischen schon die Fahrräder wieder in die Heimat gebracht.

Allen Prophezeiung zum Trotz hat keiner bereut, an der Radtour teilgenommen zu haben, alle waren sich einig: es war ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art.

Sabina Inning, KLB Kaufbeuren